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Sie befinden sich hier: Home / Kriminalitätstheorien / Lernen/ Subkultur / Theorie der differentiellen Gelegenheiten (Cloward & Ohlin)

Theorie der differentiellen Gelegenheiten (Cloward & Ohlin)

Zuletzt aktualisiert: 9. April 2026 | Veröffentlicht: 3. Juni 2018 von Christian Wickert

Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten von Richard Cloward und Lloyd Ohlin verbindet Elemente der Anomie-, Lern- und SubkulturtheorienSubkulturtheorien sind soziologische und kriminologische Ansätze, die abweichendes Verhalten und Kriminalität als Ausdruck spezifischer Werte, Normen und Lebensstile innerhalb sozialer Gruppen interpretieren, die sich von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen. mit Überlegungen der sozialen Desorganisation. Ihre zentrale Erweiterung besteht in der Annahme, dass nicht nur legale, sondern auch illegale Gelegenheitsstrukturen sozial ungleich verteilt sind. Kriminelles Verhalten hängt daher nicht nur von Motivation oder Anpassungsdruck ab, sondern auch davon, ob Individuen Zugang zu illegitimen Mitteln und kriminellen Karrieremöglichkeiten besitzen.

Die Theorie entstand vor dem Hintergrund intensiver Forschung zu Jugendbanden und urbaner KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. in den USA der 1950er Jahre. Cloward und Ohlin versuchten insbesondere zu erklären, warum sich unterschiedliche Formen von Jugenddelinquenz in verschiedenen Stadtteilen entwickelten.

Inhaltsverzeichnis

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  • Merkzettel
    • Differential Opportunity Theory
  • Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten nach Cloward und Ohlin
    • Drei Typen delinquenter Subkulturen
    • Kritische Würdigung / Aktualitätsbezug
  • Kriminalpolitische Implikationen
  • Literatur

Merkzettel

Differential Opportunity Theory

Hauptvertreter:
Richard Cloward,
Lloyd Ohlin

Erstveröffentlichung: 1960

Land: USA

Idee/ Annahme: Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten verbindet AnomietheorieDie Anomietheorie beschreibt gesellschaftliche Zustände, in denen normative Orientierungen und soziale Regeln ihre Verbindlichkeit verlieren, was zu einem Anstieg von abweichendem Verhalten und Kriminalität führen kann. und Subkulturansatz. Cloward und Ohlin argumentieren, dass nicht nur legale, sondern auch illegale Wege zur Zielerreichung ungleich verteilt sind. In Abhängigkeit vom Zugang zu unterschiedlichen Formen krimineller „Karrieren“ entstehen drei Subkulturtypen: die kriminelle, die konfliktorientierte und die retreatistische Subkultur. Delinquenz ist damit auch Ausdruck verfügbarer Gelegenheitsstrukturen im illegalen Bereich.

Kernidee der Theorie:
Nicht nur der Zugang zu legitimen Mitteln ist sozial ungleich verteilt (wie bei Merton), sondern auch der Zugang zu illegitimen Mitteln und kriminellen Karrierestrukturen. Kriminalität hängt daher sowohl von Motivation als auch von verfügbaren Gelegenheiten ab.

Abgrenzung zu:
Im Unterschied zu Mertons Anomietheorie, die primär auf den Zugang zu legalen Mitteln fokussiert, betonen Cloward & Ohlin auch die Verfügbarkeit illegaler Optionen. Gegenüber Cohens Subkulturtheorie ist ihr Ansatz stärker differenzierend und typologisierend.

Verwandte Theorien:
Anomietheorie (Merton),
Subkulturtheorie (Cohen),
Differential Association Theory (Sutherland)

Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten nach Cloward und Ohlin

Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten stellt ein Bindeglied zwischen Lern-, Sozialraum-, Subkultur– und Anomietheorien dar.

Cloward und Ohlin greifen zunächst zentrale Annahmen früherer Ansätze auf. Von Edwin H. Sutherland übernehmen sie die Vorstellung, dass kriminelles Verhalten in sozialen Beziehungen erlernt wird. Gleichzeitig teilen sie mit Robert K. Merton und Albert K. Cohen die Annahme, dass abweichendes Verhalten aus Anpassungsproblemen entsteht, die durch den ungleichen Zugang zu gesellschaftlich anerkannten Mitteln verursacht werden.

Ihre entscheidende Erweiterung besteht jedoch darin, dass auch illegitime Mittel nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Kriminelles Verhalten setzt daher nicht nur Motivation voraus, sondern auch den Zugang zu entsprechenden Gelegenheiten, Netzwerken und Techniken.

So kann beispielsweise der Einstieg in organisierte Formen der Kriminalität – etwa in den Drogenhandel oder in professionelle Diebstahlsdelikte – stark davon abhängen, ob entsprechende Kontakte, Vorbilder oder kriminelle Netzwerke vorhanden sind. In manchen Stadtteilen sind solche Strukturen leichter zugänglich als in anderen.

Hier knüpfen Cloward und Ohlin auch an die Theorie der sozialen Desorganisation von Shaw und McKay an. Sozial desorganisierte Nachbarschaften bieten häufig mehr Möglichkeiten zum Kontakt mit kriminellen Gruppen und damit auch mehr Gelegenheiten zum Erlernen und Ausüben delinquenten Verhaltens.

Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten ist aber auch innerhalb subkultureller Strukturen anwendbar. So erscheint es offensichtlich, dass delinquente Banden und Gangs nur dann bestimmte VerbrechenEin Verbrechen ist eine besonders schwerwiegende Form rechtswidrigen Handelns, die im Strafrecht mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht ist – zugleich ist es ein sozial und historisch wandelbares Konstrukt. begehen können, wenn sie auch über die dafür notwendigen Mittel, Kontakte und Gelegenheiten verfügen.

Sowohl auf gesellschaftlicher Ebene als auch innerhalb delinquent geprägter Subkulturen kann es zudem vorkommen, dass Individuen weder Zugang zu legitimen noch zu illegitimen Mitteln besitzen. In diesem Fall sprechen Cloward und Ohlin von sogenannten Doppelversagern.

Diese Personen sind sowohl von konventionellen Aufstiegschancen als auch von stabilen kriminellen Karrierestrukturen ausgeschlossen. In solchen Situationen entstehen nach Cloward und Ohlin häufig besonders instabile und gewaltorientierte Gruppenformen, in denen sich Frustration in spontanen und oft wahllosen Gewalthandlungen äußert.

Der Ansatz von Cloward und Ohlin steht zudem in der Tradition der Chicago School der Kriminologie. Insbesondere die Arbeiten zur sozialen Desorganisation und zur räumlichen Verteilung von Kriminalität beeinflussten ihre Überlegungen zu unterschiedlichen Gelegenheitsstrukturen in städtischen Nachbarschaften.

Alles in allem kann gesagt werden, dass Cloward und Ohlin stärker auf die Gelegenheitsstruktur von Kriminalität und weniger auf die Tatmotivation im engeren Sinne abzielen. Kriminelles Verhalten ist demnach nur dann wahrscheinlich, wenn bestimmte Stadtteile, Nachbarschaften oder Subkulturen illegitime Mittel und kriminelle Lernmöglichkeiten bereitstellen. In diesem Punkt zeigt sich auch eine gewisse Nähe zu späteren Ansätzen der situativen Kriminalitätsanalyse, die ebenfalls die Bedeutung konkreter Gelegenheiten betonen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cloward und Ohlin Kriminalität nicht nur als Ergebnis von Anpassungsdruck verstehen, sondern auch als Folge ungleich verteilter Gelegenheiten. Abweichendes Verhalten entsteht demnach dort besonders wahrscheinlich, wo sowohl Motivationen als auch entsprechende illegitime Gelegenheitsstrukturen vorhanden sind.

Drei Typen delinquenter Subkulturen

Cloward und Ohlin unterscheiden drei idealtypische Formen delinquenten Subkulturen, die sich aus unterschiedlichen Gelegenheitsstrukturen ergeben:

Subkulturtypsoziale StrukturStruktur bezeichnet das relativ stabile Gefüge von Beziehungen, Regeln und Positionen, das soziale Prozesse, Handlungen und Bedeutungen ordnet.typische Delikte
kriminelle SubkulturEine Subkultur bezeichnet eine Gruppe innerhalb einer Gesellschaft, die sich durch abweichende Werte, Normen, Verhaltensweisen oder symbolische Ausdrucksformen von der Mehrheitskultur unterscheidet.stabile kriminelle NetzwerkeEigentumsdelikte
konfliktorientierte Subkulturinstabile NachbarschaftenGewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen.
retreatistische SubkulturAusschluss aus beiden WeltenGewalt

Die retreatistische Subkultur wird von Cloward und Ohlin mit dem Begriff des „double failure“ beschrieben: Jugendliche scheitern sowohl im konventionellen System als auch in kriminellen Karrieren.

Mit der Kategorie der „Doppelversager“ nehmen Cloward und Ohlin zugleich Bezug auf Mertons Anomietheorie. Der von ihnen beschriebene Rückzug aus sowohl konventionellen als auch kriminellen Karrieremöglichkeiten erinnert an Mertons Anpassungstyp des Retreatismus.

Kritische Würdigung / Aktualitätsbezug

Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten verbindet mehrere zentrale Ansätze der Kriminalsoziologie und erweitert diese um eine wichtige Perspektive: Kriminalität hängt nicht nur von Motivation oder sozialen Anpassungsproblemen ab, sondern auch von den tatsächlich verfügbaren Gelegenheiten zur Begehung von Straftaten.

Damit lenkt der Ansatz den Blick stärker auf die Bedeutung sozialer Kontexte, Nachbarschaften und krimineller Netzwerke. Insbesondere der Gedanke ungleich verteilter Gelegenheitsstrukturen weist bereits auf spätere situationale und umweltbezogene KriminalitätstheorienWissenschaftliche Ansätze, die versuchen, Ursachen und Bedingungen für kriminelles Verhalten zu erklären. hin.

Gleichzeitig bleibt auch hier die grundlegende Kritik bestehen, die bereits gegenüber der Anomietheorie formuliert wurde: Nicht jede Form von Kriminalität lässt sich auf StatusStatus bezeichnet die soziale Position einer Person innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft, die mit bestimmten Erwartungen, Rechten und Pflichten verbunden ist.- oder Anpassungsprobleme zurückführen. Viele Delikte entstehen aus situativen Konflikten, individuellen Motiven oder spontanen Gelegenheiten.

Kritisiert wurde zudem, dass sich der Ansatz stark auf Jugendbanden in urbanen Kontexten konzentriert. Viele Formen moderner Kriminalität – etwa Wirtschaftsdelikte oder digitale Kriminalität – lassen sich mit diesem Modell nur begrenzt erklären.

Darüber hinaus ist fraglich, ob tatsächlich jedes Delikt spezifische illegitime Mittel oder stabile kriminelle Gelegenheitsstrukturen voraussetzt. Spontane Gewalthandlungen oder impulsive Delikte können auch ohne ausgeprägte kriminelle Netzwerke auftreten.

Dennoch trägt die Theorie wesentlich dazu bei, die RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. von Tatgelegenheiten und sozialen Kontexten stärker in die kriminologische Analyse einzubeziehen. Gerade darin liegt ihre anhaltende Aktualität.

Kriminalpolitische Implikationen

Aus der Theorie der differentiellen Gelegenheiten ergeben sich kriminalpolitische Schlussfolgerungen auf mehreren Ebenen.

Zum einen verweist der Ansatz – ähnlich wie die AnomieZustand der Normlosigkeit, in dem gesellschaftliche Normen und Werte ihre regulierende Wirkung verlieren.- und Subkulturtheorien – auf die Bedeutung sozialer Ungleichheit und begrenzter Aufstiegschancen. Maßnahmen zur Verbesserung von Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten können daher dazu beitragen, den Druck zu reduzieren, alternative – auch illegale – Wege zur Statusgewinnung zu suchen.

Zum anderen hebt die Theorie die Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen hervor. KriminalpräventionKriminalprävention umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Straftaten zu verhindern oder deren Folgen zu reduzieren. kann daher auch darin bestehen, den Zugang zu illegitimen Mitteln und kriminellen Netzwerken zu erschweren oder bestimmte Tatgelegenheiten zu reduzieren. In diesem Punkt zeigt sich eine Nähe zu späteren Ansätzen der situationalen Kriminalprävention.

Cloward und Ohlin selbst betonten vor allem sozialpolitische Maßnahmen. Sie forderten eine Verbesserung der Bildungs- und Lebensbedingungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen sowie die Stärkung sozialer und politischer Strukturen in benachteiligten Nachbarschaften.

Literatur

  • Cloward, R. A. & Ohlin, L. E. (1963): Delinquency and Opportunity: A Theory of Delinquent Gangs. 4. Auflage. Glencoe.

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Kategorie: Kriminalitätstheorien Tags: Anomietheorie, Chicago School, Cloward und Ohlin, Differential Opportunity Theory, illegitime Gelegenheitsstrukturen, Jugendbanden, Jugenddelinquenz, Kriminalitätstheorien, Lloyd Ohlin, Richard Cloward, Robert K. Merton, soziale Desorganisation, Subkulturtheorie Cohen, Subkulturtheorien

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