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Verdrängungseffekt (Displacement)

Kurzdefinition

Der Verdrängungseffekt bezeichnet die Verlagerung von Kriminalität in Folge kriminalpräventiver Maßnahmen. Straftaten verschwinden dabei nicht zwangsläufig, sondern werden räumlich, zeitlich, taktisch oder hinsichtlich der Zielobjekte verlagert.

Ausführliche Erklärung

Der Verdrängungseffekt ist ein zentrales Konzept der situativen Kriminalprävention. Er beschreibt die Möglichkeit, dass präventive Maßnahmen zwar Kriminalität an einem Ort oder in einer bestimmten Form reduzieren, die Täter jedoch auf andere Orte, Zeiten, Ziele oder Methoden ausweichen.

Beispielsweise kann eine verstärkte Polizeipräsenz an einem bekannten Kriminalitätsschwerpunkt dazu führen, dass Straftaten in benachbarte Stadtteile verlagert werden. Ebenso können technische Sicherungsmaßnahmen dazu beitragen, dass Täter andere Zielobjekte auswählen oder ihre Vorgehensweise anpassen.

In der kriminologischen Forschung werden verschiedene Formen des Verdrängungseffekts unterschieden:

  • Räumliche Verdrängung: Verlagerung der Tat an einen anderen Ort.
  • Zeitliche Verdrängung: Verlagerung auf andere Tages- oder Wochenzeiten.
  • Zielverdrängung: Auswahl anderer Opfer oder Tatobjekte.
  • Taktische Verdrängung: Veränderung der Tatmethode.
  • Deliktsverdrängung: Wechsel zu anderen Deliktsformen.

Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass Verdrängungseffekte häufig geringer ausfallen als ursprünglich angenommen. Teilweise tritt sogar das Gegenteil ein: Präventionsmaßnahmen entfalten positive Nebeneffekte auf benachbarte Bereiche. Dieser Effekt wird als Diffusion of Benefits bezeichnet.

Theoriebezug

Der Verdrängungseffekt spielt insbesondere in der Situational Crime Prevention, im Routine Activity Approach, in der Crime Pattern Theory sowie in der Städtebaulichen Kriminalprävention eine wichtige Rolle.

Verwandte Begriffe

CPTED Diffusion of Benefits Hotspot Prävention Routine Activity Theory Situational Crime Prevention Städtebauliche Kriminalprävention

Weiterführende Beiträge

Hostile architecture Sitzbank mit Armlehnen als Beispiel situativer Kriminalprävention

Situational Crime Prevention (Clarke)

Die Situational Crime Prevention (situative Kriminalprävention) ist ein kriminalpräventiver Ansatz, der darauf abzielt, Kriminalität durch Veränderungen konkreter Situationen zu reduzieren. Anstatt sich primär auf die Ursachen kriminellen Verhaltens zu konzentrieren, versucht dieser Ansatz, Tatgelegenheiten zu verringern oder Straftaten weniger attraktiv…

Unbeaufsichtigtes Fahrrad als Beispiel für eine Tatgelegenheit im Routine Activity Approach.

Routine Activity Approach

Der Routine Activity Approach erklärt Kriminalität als Ergebnis bestimmter situativer Konstellationen. Nach diesem Ansatz entsteht eine Straftat dann, wenn drei Elemente gleichzeitig zusammentreffen: ein motivierter Täter, ein geeignetes Tatobjekt und das Fehlen eines wirksamen Schutzes. Der Routine Activity Approach gehört…

Crime Pattern Theory – Analyse räumlicher Kriminalitätsmuster auf einer Stadtkarte

Crime Pattern Theory (Brantingham & Brantingham)

Die Crime Pattern Theory ist eine zentrale Theorie der Environmental Criminology und erklärt, warum sich Kriminalität in bestimmten räumlichen Mustern konzentriert. Die von Paul J. Brantingham und Patricia L. Brantingham entwickelte Theorie geht davon aus, dass Straftaten nicht zufällig über…



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Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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