Aaron Victor Cicourel
Personenprofil
- Name: Aaron Victor Cicourel
- Geburtsjahr: 1928
- Sterbejahr: 2023
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Ethnomethodologie, Kriminologie, Soziologie
- Themen: Sekundäre Devianz, Kriminalisierung, Kriminalstatistik, Empirische Sozialforschung, Soziale Kontrolle, Diskriminierung, Institutioneller Rassismus, Abweichendes Verhalten (Devianz), Konstruktivismus, Mikrosoziologie, Soziale Ungleichheit
Weitere Informationen
Aaron V. Cicourel war einer der wichtigsten Vertreter einer interpretativen, mikrosoziologisch ausgerichteten Kriminologie. Als Professor u. a. an der University of California, Santa Barbara, und der University of Chicago entwickelte er zentrale Beiträge zur Ethnomethodologie und zur Analyse institutioneller Entscheidungsprozesse. Seine Forschungsarbeiten verbinden qualitative Methoden, Kognitionssoziologie und Interpretationslogiken, um zu zeigen, wie soziale Wirklichkeit im Alltag – und insbesondere in Institutionen wie Polizei, Jugendgerichtsbarkeit oder Verwaltung – praktisch hergestellt wird. Cicourels Studien gehören zu den Grundlagenwerken einer verstehenden Kriminalsoziologie und beeinflussten die Labeling-Tradition stark.
Cicourel kritisierte die Annahme, dass strafrechtliche Entscheidungen objektiv, neutral oder rein gesetzlich determiniert seien. Stattdessen zeigte er, dass Entscheidungen in Polizei, Jugendämtern und Gerichten auf situativen Interpretationen, Routinen, Heuristiken und impliziten Wissensbeständen beruhen. Zentral ist sein Konzept der „cognitive structures“, die Akteure nutzen, um Fälle zu ordnen und Bedeutung zuzuschreiben. Sein Werk The Social Organization of Juvenile Justice gilt als Meilenstein, da es offenlegt, wie institutionelle Definitionen von Devianz und Delinquenz im Alltag konstruiert werden. Cicourel prägt damit sowohl die Ethnomethodologie als auch die Interaktionistische Kriminologie.
Schlüsselwerke
- The Social Organization of Juvenile Justice (1968)
- Method and Measurement in Sociology (1964)
- Cognitive Sociology: Language and Meaning in Social Interaction (1974)
- Umfangreiche Beiträge zur Ethnomethodologie, Kriminaljustizforschung und Methodologie