Edwin Hardin Sutherland

Portrait: Edwin Sutherland
Edwin H. Sutherland

Personenprofil

  • Name: Edwin Hardin Sutherland
  • Geburtsjahr: 1883
  • Sterbejahr: 1950
  • Land: Vereinigte Staaten
  • Disziplin(en): Kriminologie, Soziologie

Weitere Informationen

Edwin Hardin Sutherland gilt als einer der einflussreichsten Kriminologen des 20. Jahrhunderts und als zentrale Figur der modernen soziologischen Kriminologie. Er war Professor u. a. an der University of Chicago, Indiana University und University of Illinois und prägte das Fach nachhaltig durch theoretische, begriffliche und institutionelle Beiträge.

Sutherland ist vor allem für zwei eng miteinander verbundene Leistungen bekannt: die Theorie der differentiellen Assoziation und die Einführung des Begriffs White-Collar Crime. Mit der differentiellen Assoziation formulierte er einen lern- und interaktionsbasierten Erklärungsansatz, der Kriminalität nicht auf individuelle Defekte oder biologische Anlagen zurückführt, sondern als Ergebnis sozialer Lernprozesse versteht. Kriminelles Verhalten wird demnach in sozialen Gruppen erlernt – einschließlich Motiven, Rechtfertigungen und Techniken. Damit wandte sich Sutherland explizit gegen biologische und psychologische Erklärungen der Kriminalität.

Mit dem Konzept des White-Collar Crime (1939) stellte Sutherland zudem die bis dahin dominante Fixierung der Kriminologie auf Straßen- und Unterschichtskriminalität radikal infrage. Er zeigte, dass auch Angehörige der ökonomischen und politischen Eliten systematisch Straftaten begehen, diese jedoch häufig nicht kriminalstatistisch erfasst oder gesellschaftlich als „kriminell“ wahrgenommen werden. Kriminalität erschien damit als klassenübergreifendes Phänomen, dessen Sichtbarkeit von Macht, Definitionsprozessen und Strafverfolgung abhängt.

Sutherland verband damit eine implizite Kritik an Strafrecht, Strafverfolgung und Kriminalstatistik: Was als Kriminalität gilt, ist kein neutraler Sachverhalt, sondern Ergebnis sozialer und institutioneller Selektionsprozesse. In dieser Hinsicht gilt er als wichtiger Vorläufer der späteren Labeling-Ansätze, der Kritischen Kriminologie und der Macht- und Kontrollperspektiven.

Für SozTheo ist Sutherland zentral, weil er sowohl die Lerntheorien der Kriminalität begründet als auch eine der folgenreichsten Verschiebungen des kriminalsoziologischen Blicks angestoßen hat: weg vom „abweichenden Anderen“, hin zur Analyse von Macht, Organisationen und Elitenkriminalität.

Schlüsselwerke

  • Criminology (1924, zahlreiche Auflagen)
  • Principles of Criminology (mit Donald R. Cressey, ab 1934)
  • White Collar Crime (1949)
  • On Analyzing Crime (posthum, Aufsätze)