Mike Presdee

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Mike Presdee

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Mike Presdee war ein britischer Kriminologe und einer der zentralen Wegbereiter der Cultural Criminology. Sein Werk verbindet kriminologische Theorie mit kultursoziologischen, emotionssoziologischen und subkulturellen Perspektiven. Presdee interessierte sich weniger für Kriminalität als Normabweichung im klassischen Sinne, sondern für Kriminalität als kulturelle Praxis, als Ausdruck von Sinn, Lust, Widerstand und Identität in spätmodernen Gesellschaften.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Presdee dem Verhältnis von Vergnügen, Transgression und Kontrolle. Er argumentierte, dass viele Formen von Devianz und Kriminalität als Reaktion auf eine zunehmend regulierte, rationalisierte und sicherheitsorientierte Gesellschaft zu verstehen seien. Kriminelle Handlungen erscheinen bei ihm nicht primär als Defizite oder Fehlanpassungen, sondern als Versuche, Intensität, Gemeinschaft und emotionale Erfahrung zurückzugewinnen.

Presdee entwickelte das Konzept des Carnival of Crime, in dem er Kriminalität mit karnevalesken Momenten des Regelbruchs, der Umkehr sozialer Hierarchien und der kollektiven Ekstase verknüpft. Diese Perspektive rückte Affekte, Körperlichkeit, Musik, Nachtleben und subkulturelle Räume ins Zentrum der Analyse und stellte einen bewussten Gegenentwurf zu rational-choice-orientierten, actuarialen und präventionslogischen Ansätzen dar.

In der Kriminologie wirkte Presdee stark inspirierend auf Cultural Criminology, Deviant Leisure Studies und neuere Arbeiten zu Emotionen, Konsum, Nachtökonomien und subkultureller Gewalt. Seine Arbeiten werden häufig mit Jeff Ferrell, Jock Young und Keith Hayward in Verbindung gebracht.

Schlüsselwerke

  • Cultural Criminology and the Carnival of Crime (2000)
  • Crime and Culture (Aufsätze, 1990er Jahre)
  • Fragments of a Criminology of Carnival (Aufsätze)