Norbert Elias

Norbert Elias, 1987
Norbert Elias, 1987
Rob Bogaerts / Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

Personenprofil

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Norbert Elias zählt zu den bedeutendsten Soziologen des 20. Jahrhunderts und gilt als Begründer der historischen Soziologie in Europa. Geboren in Breslau, floh er 1933 vor dem Nationalsozialismus und wirkte in Frankreich, der Schweiz und schließlich im Vereinigten Königreich. Dort lehrte er u. a. an der University of Leicester und der University of Ghana. International bekannt wurde er relativ spät, insbesondere nach der Veröffentlichung von Über den Prozeß der Zivilisation, das zu den einflussreichsten Werken der modernen Sozialwissenschaft gehört. Elias’ Forschung zeichnet sich durch langfristige, prozessuale Analysen sozialer Strukturen, Machtbeziehungen und gesellschaftlicher Transformationen aus.

Elias entwickelte eine neuartige Perspektive auf soziale Entwicklung, die er als Prozesssoziologie bezeichnete. Sein Zivilisationsprozess zeigt, wie Verhaltensstandards, Affektkontrolle und gesellschaftliche Normen über Jahrhunderte hinweg durch Verwobenheiten von Individuen, Staaten und Machtkonstellationen entstehen. Dieser Blick auf lange historische Linien revolutionierte die Soziologie, indem er starre Strukturbegriffe durch dynamische figurationstheoretische Ansätze ersetzte.

Die Figuration – das Netzwerk wechselseitiger Abhängigkeiten – bildet das Fundament seiner Analyse. Macht ist bei Elias niemals ein Besitz, sondern eine Relation. Seine Arbeiten prägten Theorien zu Staatlichkeit, Moderne, Gewaltmonopolen, Sportsoziologie, Emotionen, Fremdheit, Konflikten und Gruppendynamiken (z. B. Etablierte und Außenseiter).

Schlüsselwerke

  • Über den Prozeß der Zivilisation (1939)
  • Etablierte und Außenseiter (mit John L. Scotson, 1965)
  • Die Gesellschaft der Individuen (1987)
  • Was ist Soziologie? (1970)
  • Die höfische Gesellschaft (1969)