Stephen Lyng
Personenprofil
- Name: Stephen Lyng
- Geburtsjahr: 1948
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Devianzforschung, Kultursoziologie, Soziologie
- Themen: Devianz, Deviant Leisure, Emotionen, Subkultur, Cultural Criminology, Selbstkontrolle, Soziale Identität, Spätmoderne, Risikogesellschaft
Weitere Informationen
Stephen Lyng ist ein US-amerikanischer Soziologe und gilt als Begründer des Konzepts Edgework, das zu den einflussreichsten Beiträgen der neueren Devianz-, Risiko- und Kultursoziologie zählt. Er lehrte u. a. an der University of Massachusetts Lowell und beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit freiwilligem Risikoverhalten, Grenzerfahrungen und der sozialen Bedeutung von Gefahr.
Lyng entwickelte den Begriff Edgework, um Praktiken zu beschreiben, bei denen Individuen bewusst Situationen aufsuchen, in denen Kontrolle und Kontrollverlust, Leben und Tod, Ordnung und Chaos unmittelbar aufeinandertreffen. Klassische Beispiele sind Extremsportarten, aber auch illegale oder halblegale Aktivitäten wie Street Racing, Base-Jumping, Graffiti, Hacktivismus oder riskante Formen devianten Konsums.
Zentral ist dabei die Abkehr von pathologisierenden oder defizitorientierten Erklärungen. Edgework wird nicht als irrationales oder selbstzerstörerisches Verhalten verstanden, sondern als sinnhaftes, kompetenzbasiertes Handeln, das Identität, Selbstkontrolle und Autonomie erzeugt. Lyng verknüpft mikrosoziologische Erlebnisdimensionen mit makrosozialen Kontexten wie Spätmoderne, Risikogesellschaft, Entfremdung und Kontrollverdichtung.
Für die Kriminologie ist Lyng insbesondere im Umfeld der Cultural Criminology bedeutsam. Sein Ansatz hilft, Delinquenz, Regelbrüche und riskante Freizeitpraktiken als kulturell eingebettete Formen von Sinnproduktion, Statusgewinn und Widerstand gegen institutionelle Kontrolle zu analysieren. Edgework ist damit anschlussfähig an Debatten über Devianz, Subkultur, Deviant Leisure, Männlichkeit, Emotionen und Selbstkontrolle.
Schlüsselwerke
- Edgework: A Social Psychological Analysis of Voluntary Risk Taking (1990)
- Edgework and the Risk-Taking Experience (Hrsg., 2005)
- Dangerous Methods: Risk Taking and Edgework in Contemporary Society (Aufsätze)