Richard Quinney
Personenprofil
- Name: Richard Quinney
- Geburtsjahr: 1934
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Kriminologie, Soziologie
- Themen: Kritische Kriminologie, Marxismus, Kriminalisierung, Macht, Herrschaft, Staat, Kapitalismus, Abolitionismus, Strafrecht, Soziale Kontrolle, Rechtssoziologie
Weitere Informationen
Richard Quinney ist ein US-amerikanischer Soziologe und Kriminologe und zählt zu den zentralen Vertreter:innen der Kritischen und radikalen Kriminologie. Seine Arbeiten markieren einen grundlegenden Perspektivwechsel: Kriminalität wird nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als gesellschaftlich produziertes, politisch definiertes und ökonomisch funktionales Phänomen verstanden.
Quinney entwickelte früh eine konflikt- und herrschaftssoziologische Kriminalitätstheorie, die eng an Marxismus, Kritische Theorie und den Symbolischen Interaktionismus anschließt. Im Zentrum steht die These, dass Kriminalität das Resultat sozialer Machtverhältnisse ist: Gesetze spiegeln Interessen dominanter Gruppen wider, während marginalisierte Gruppen kriminalisiert werden. Besonders prägend ist sein Verständnis von crime as a definition, also als Ergebnis sozialer Definitions- und Durchsetzungsprozesse.
In Class, State, and Crime verbindet Quinney Kriminalität explizit mit Kapitalismus, Klassenherrschaft und staatlicher Gewalt. In späteren Arbeiten entwickelte er zudem eine normativ-utopische Perspektive, in der er eine friedensorientierte, humanistische und abolitionistische Kriminologie entwirft. Damit überschreitet er bewusst die Grenze zwischen Analyse und normativer Gesellschaftskritik.
Quinney beeinflusste nachhaltig die Entwicklung der Critical Criminology, der Radical Criminology sowie abolitionistische Debatten. Seine Arbeiten stehen in enger Verbindung zu William J. Chambliss, Taylor, Walton & Young, Fritz Sack, Alessandro Baratta und später auch zu Loïc Wacquant.
Schlüsselwerke
- The Social Reality of Crime (1970)
- Critique of Legal Order (1974)
- Class, State, and Crime (1977)
- Criminology as Peacemaking (mit Harold Pepinsky, 1991)