Mode ist mehr als Stil, Trend oder Geschmack. Kleidung fungiert als sozialer Marker, als Mittel der Distinktion, als Instrument der Normalisierung – und zunehmend auch als ökonomischer und ökologischer Konfliktraum. Wer was trägt – oder nicht trägt –, wird gelesen, eingeordnet und bewertet. Mode ist damit kein bloßes Konsumphänomen, sondern ein zentrales Medium sozialer Ordnung.
Diese Artikelserie untersucht Mode als soziale Praxis an der Schnittstelle von Körper, Macht, Ungleichheit, Konsum und DevianzVerhalten, das in einer Gesellschaft als unangemessen, abweichend oder regelverletzend gilt – unabhängig davon, ob es strafrechtlich relevant ist.. Kleidung, Frisuren, Düfte oder Körperformen erscheinen nicht als neutrale Ausdrucksformen, sondern als Träger sozialer Erwartungen, die Zugehörigkeit markieren, Grenzziehungen stabilisieren und Abweichung sichtbar machen.
Im Zentrum stehen unter anderem folgende Fragen:
- Wie wirken Körpernormen, Schlankheitsideale und Selbstoptimierung als Formen sozialer KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird.?
- Welche Rolle spielen Social Media, Haul-KulturKultur bezeichnet die Gesamtheit gemeinsamer Bedeutungen, Symbole, Praktiken und Lebensweisen einer Gesellschaft oder Gruppe. und Plattformökonomie für Beschleunigung und Überkonsum?
- Wie lassen sich Fast Fashion, Umweltzerstörung und globale Ausbeutung kriminologisch – etwa mit Green CriminologyGreen Criminology ist ein interdisziplinärer Ansatz in der Kriminologie, der sich mit Umweltkriminalität, Umweltzerstörung und den gesellschaftlichen Konsequenzen ökologischer Schäden auseinandersetzt. – analysieren?
- Warum entstehen subkulturelle Praktiken wie Ladendiebstahl, Replikamärkte oder politische Dresscodes?
- Wann wird Kleidung verboten – und was sagt das über MachtMacht bezeichnet die Fähigkeit von Personen oder Gruppen, das Verhalten anderer zu beeinflussen – auch gegen deren Willen., Sichtbarkeit und Regulierung aus?
Ausgangspunkt der Serie ist die Annahme, dass soziale NormenVerhaltensregeln und Erwartungen, die innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe als verbindlich gelten. nicht nur sprachlich oder institutionell vermittelt werden, sondern in hohem Maße über Sichtbarkeit, Körperlichkeit und ästhetische Codes wirken. Gerade die vermeintliche Freiwilligkeit modischer Entscheidungen verdeckt ihre normierende Funktion: Abweichung wird nicht verboten, sondern markiert; Konformität nicht angeordnet, sondern belohnt.
Die Beiträge verbinden Ansätze der Mode- und Körpersoziologie, der Ungleichheitsforschung sowie der Devianz- und Kontrolltheorie. Mode erscheint als ein FeldEin Feld ist ein relativ autonomer sozialer Raum mit eigenen Regeln, Akteuren und Machtverhältnissen, in dem soziale Positionen und Kämpfe ausgetragen werden., in dem sich soziale Machtverhältnisse verdichten: zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Normalität und Abweichung, Selbstbestimmung und Anpassung.
Adressiert ist die Serie an eine interessierte Öffentlichkeit mit sozialwissenschaftlichem Interesse. Ziel ist es, theoretische Konzepte verständlich auf alltägliche Phänomene anzuwenden und Mode nicht länger als Nebensache, sondern als empirisch ernst zu nehmenden Gegenstand sozialer Analyse zu begreifen.