Evaluation der Anwendung und Wirkung von Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG) im Wachdienst der Polizei NRW
Die Hochschule für PolizeiDie Polizei ist eine staatliche Institution zur Gefahrenabwehr, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verfolgung von Straftaten. und öffentliche Verwaltung NRW (HSPV NRW) hat im Jahr 2025 den umfassenden Ergebnisbericht zur Evaluation der Anwendung und Wirkung von Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG) veröffentlicht.
Der Bericht untersucht, wie das DEIG im Wachdienst eingesetzt wird, wie Polizeibeamtinnen und -beamte das Einsatzmittel bewerten und ob sich Auswirkungen auf tätliche Angriffe feststellen lassen.
Der vollständige Ergebnisbericht kann hier abgerufen werden:
Evaluation der Anwendung und Wirkung von Distanzelektroimpulsgeräten
Zentrale Befunde
1. Positive Bewertung durch die Polizeipraxis
Die große Mehrheit der Polizeibeamtinnen und -beamten bewertet das DEIG positiv. Hervorgehoben wird insbesondere die effiziente Beruhigung von Einsatzsituationen, die häufig schon durch die bloße Sichtbarkeit oder die Androhung des Geräts erreicht wird.
2. Androhung oft unklar geregelt
Der Bericht zeigt, dass die rechtlichen Voraussetzungen zur Androhung des DEIG nicht präzise genug formuliert sind.
Aus den Daten ergeben sich Hinweise auf eine inflationäre Androhung, auch in Situationen, in denen die gesetzlichen Voraussetzungen nicht zweifelsfrei vorgelegen haben dürften.
3. Moderate Wirkungsraten und technische Grenzen
Die Wirksamkeit des DEIG wird als moderat eingestuft. Häufig treffen die Sonden nicht oder entfalten aufgrund dicker bzw. lockerer Kleidung keine Wirkung. Jeder Fehlschuss birgt zudem das Risiko schwerer Verletzungen (z. B. an Augen oder Hals). Aufgrund dieser Einschränkungen kann das DEIG die Schusswaffe nicht ersetzen, wenn eine gegenwärtige Lebensgefahr abgewehrt werden muss.
4. Unterschiedliche Entwicklungen bei tätlichen Angriffen
Die Analyse der Polizeilichen KriminalstatistikSammlung und Auswertung von Daten über polizeilich registrierte Straftaten und Tatverdächtige. (PKS NRW) hinsichtlich eines abschreckenden Effektes bei tätlichen Angriffen auf PVB ergibt kein einheitliches Bild:
Einige Kreispolizeibehörden zeigen Hinweise auf rückläufige tätliche Angriffe, andere keine Veränderungen, wieder andere deutliche Registrierungseffekte. Eine generelle präventive Wirkung lässt sich daher nicht feststellen.
5. Aus- und Fortbildung: Bedarf an systemischer Weiterentwicklung
Der Bericht betont die Notwendigkeit einer systemischen Fortbildung, die nicht allein die technische Handhabung des DEIG adressiert, sondern das Zusammenspiel mit anderen Einsatzmitteln sowie taktische Entscheidungsprozesse in komplexen Lagen. Die aktuelle Ausbildungsqualität variiert stark und hängt oft von einzelnen Ausbildern ab.
Kurzfazit
Das DEIG hat sich als ergänzendes Einsatzmittel im Wachdienst etabliert und wird im Alltag überwiegend positiv bewertet.
Gleichzeitig zeigt die Evaluation klare Grenzen: moderate Wirkungsraten, unpräzise Regelungen zur Androhung und heterogene Fortbildungsstrukturen. Eine eindeutige präventive Wirkung auf tätliche Angriffe gegen Polizeibeamtinnen und -beamte lässt sich nicht nachweisen. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an präziseren rechtlichen Vorgaben und einer systematisch weiterentwickelten Ausbildungspraxis.
Mediale Aufarbeitung: John Oliver über Risiken von Tasern
Eine vielbeachtete internationale Kritik am Einsatz von Distanzelektroimpulsgeräten stammt vom US-Journalisten John Oliver, der in seiner Sendung Last Week Tonight ausführlich auf die Risiken von Tasern eingeht (Video ansehen).
Oliver konzentriert sich dabei insbesondere auf den Weltmarktführer Axon Enterprise, Inc. – jenes Unternehmen, das auch die Polizei Nordrhein-Westfalen mit DEIG-Geräten beliefert.
Er thematisiert die gesundheitlichen Gefahren, die von den Geräten ausgehen können, sowie die strategische KommunikationKommunikation bezeichnet den Austausch von Informationen, Bedeutungen und Symbolen zwischen Akteuren. des Herstellers, der die Risiken aus seiner Sicht zu stark relativiert. Diese mediale Perspektive ergänzt den wissenschaftlichen Diskurs um eine kritische Betrachtung der Herstellerlogik und verweist auf die Bedeutung unabhängiger Evaluationen und transparenter Risikoabwägungen.
Literatur
- Naplava, T., Kersting, S., Kaufmann, M. & Müller, C. (2025). Evaluation der Anwendung und Wirkung von Distanzelektroimpulsgeräten im Wachdienst der Polizei Nordrhein-Westfalen: Ergebnisbericht. Gelsenkirchen: Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW.


