Deadwood (2004–2006)

1876. In der illegalen Goldgräbersiedlung Deadwood in den Black Hills treffen Glücksritter, Unternehmer, Prostituierte, Gesetzlose und ehemalige Soldaten aufeinander. Ohne funktionierende staatliche Institutionen entwickeln sich eigene Regeln, Machtstrukturen und Formen sozialer Kontrolle. Im Zentrum steht der Saloonbesitzer Al Swearengen, dessen Gewaltmonopol zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen und dem Entstehen formeller Institutionen konkurriert.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Deadwood
  • Deutscher Titel: Deadwood
  • Erscheinungsjahr: 2004–2006
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: David Milch
  • Medium: Serie
  • Laufzeit / Umfang: 3 Staffeln, 36 Episoden
  • Schwerpunkte: Krieg, Staat und politische Gewalt

Kriminologische Relevanz

Deadwood zählt zu den eindrucksvollsten Darstellungen der Entstehung sozialer Ordnung im Fernsehen. Die Serie zeigt eine Gesellschaft, in der staatliche Institutionen zunächst nahezu vollständig fehlen. Polizei, Gerichte und Verwaltung existieren nur in Ansätzen, sodass Konflikte zunächst durch private Gewalt, persönliche Autorität und informelle Regeln geregelt werden.

Aus kriminologischer Perspektive illustriert Deadwood den Übergang von informeller zu formeller sozialer Kontrolle. Gewalt dient zunächst als zentrales Mittel zur Konfliktlösung, wird jedoch zunehmend durch wirtschaftliche Interessen, politische Aushandlungsprozesse und entstehende Institutionen begrenzt. Die Serie macht deutlich, dass Recht nicht einfach vorhanden ist, sondern historisch entsteht und gesellschaftlich ausgehandelt werden muss.

Besonders interessant ist die Figur des Saloonbesitzers Al Swearengen. Obwohl er zahlreiche Straftaten begeht und ein kriminelles Netzwerk kontrolliert, sorgt er zugleich für Stabilität innerhalb der Siedlung. Damit stellt die Serie die grundlegende Frage, ob Ordnung auch außerhalb staatlicher Institutionen entstehen kann und welche Funktionen organisierte Kriminalität unter bestimmten historischen Bedingungen übernimmt.

Darüber hinaus thematisiert Deadwood Korruption, politische Einflussnahme und die Verflechtung wirtschaftlicher Interessen mit entstehenden Verwaltungsstrukturen. Der Aufbau staatlicher Herrschaft erscheint nicht als moralischer Fortschritt, sondern als konfliktreicher Prozess, in dem Gewalt, Kapital und Politik eng miteinander verbunden sind.

Kriminologisch eignet sich Deadwood insbesondere zur Analyse sozialer Kontrolle, der Entstehung staatlicher Institutionen sowie der historischen Entwicklung von Recht, Gewaltmonopol und organisierter Kriminalität. Die Serie zeigt eindrucksvoll, dass staatliche Ordnung nicht den Ausgangspunkt gesellschaftlichen Zusammenlebens bildet, sondern selbst das Ergebnis sozialer und politischer Aushandlungsprozesse ist.

Bildquelle „Sheriff-Stern“: cogdogblog, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser