Kurzdefinition
Die Defiance Theory erklärt, warum Sanktionen unter bestimmten Bedingungen nicht abschreckend, sondern delinquenzfördernd wirken können.
Ausführliche Erklärung
Die Defiance Theory wurde Anfang der 1990er-Jahre von Lawrence W. Sherman entwickelt. Sie stellt eine Kritik an einfachen Abschreckungsmodellen dar und argumentiert, dass Sanktionen nicht automatisch zu Normbefolgung führen. Entscheidend sei, wie Sanktionen von den Betroffenen wahrgenommen werden.
Sanktionen können Trotz (Defiance) auslösen, wenn sie als ungerecht, illegitim oder stigmatisierend erlebt werden, insbesondere bei schwacher sozialer Bindung oder fehlender Anerkennung staatlicher Autorität. Unter solchen Bedingungen können Strafen Devianz verstärken, anstatt sie zu reduzieren.
Die Theorie betont damit die Bedeutung von Legitimität, Fairness, sozialer Einbettung und Stigmatisierung. Sie ist empirisch eng mit Studien zur Polizeiarbeit, zu Sanktionen und zu informeller sozialer Kontrolle verbunden.
Theoriebezug
Die Defiance Theory steht in enger Beziehung zu Abschreckungstheorien, zur Etikettierungstheorie, zur Theorie sozialer Kontrolle sowie zu Ansätzen der Restorative Justice.