Kurzdefinition
Die kriminologische Regionalanalyse untersucht räumliche Unterschiede in der Verteilung von Kriminalität zwischen Regionen, Städten oder Stadtteilen.
Ausführliche Erklärung
Die kriminologische Regionalanalyse befasst sich mit der Frage, warum Kriminalität in bestimmten Regionen stärker auftritt als in anderen. Dabei werden geografische Räume – etwa Städte, Landkreise oder Stadtteile – miteinander verglichen, um regionale Unterschiede in der Kriminalitätsbelastung zu erklären.
Im Zentrum stehen sowohl strukturelle Faktoren (z. B. soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit oder Segregation) als auch situative Gelegenheitsstrukturen wie Verkehrswege, Einkaufszentren oder Freizeitorte.
Historisch reicht diese Forschungstradition bis zur Chicago School der Stadtsoziologie zurück. Studien von Clifford Shaw und Henry McKay zeigten bereits in den 1920er Jahren, dass Jugenddelinquenz in bestimmten Stadtzonen besonders stark konzentriert war.
Moderne Regionalanalysen kombinieren statistische Kriminalitätsdaten mit sozialräumlichen Indikatoren und Methoden der Geoinformatik. Sie bilden eine wichtige Grundlage für kommunale Kriminalprävention, städtebauliche Maßnahmen und polizeiliche Einsatzstrategien.
Die kriminologische Regionalanalyse überschneidet sich daher sowohl mit der Stadtsoziologie als auch mit der Environmental Criminology, die Kriminalität als Ergebnis räumlicher Gelegenheitsstrukturen versteht.
Theoriebezug
Soziale Desorganisation, Environmental Criminology, Crime Pattern Theory