Kurzdefinition
Rollenverhalten bezeichnet das Verhalten von Menschen, das sich an den Erwartungen orientiert, die mit einer bestimmten sozialen Position oder Rolle verbunden sind.
Ausführliche Erklärung
Unter Rollenverhalten versteht die Sozialpsychologie und Soziologie das Verhalten von Menschen, das durch die Erwartungen geprägt wird, die mit einer bestimmten sozialen Rolle verbunden sind. Solche Rollen entstehen beispielsweise innerhalb von Familien, Organisationen, Berufsgruppen oder staatlichen Institutionen und geben Orientierung darüber, welches Verhalten als angemessen oder erwartet gilt.
Rollen erleichtern das soziale Zusammenleben, da sie Erwartungen strukturieren und Interaktionen vorhersehbar machen. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Menschen Verhaltensweisen übernehmen, die sie außerhalb ihrer Rolle möglicherweise ablehnen würden. Rollenverhalten entsteht dabei nicht allein durch formale Vorschriften, sondern auch durch informelle Normen, Gruppenerwartungen und institutionelle Kulturen.
Internationale Bekanntheit erlangte das Konzept durch das Stanford Prison Experiment von Philip Zimbardo. Das Experiment sollte zeigen, wie schnell Versuchspersonen die Rollen von Gefängniswärtern und Gefangenen übernahmen und wie stark diese Rollenzuweisungen ihr Verhalten beeinflussten. Die Interpretation des Experiments ist heute allerdings umstritten, da methodische Mängel und die aktive Einflussnahme der Versuchsleitung vielfach kritisiert wurden.
Das Konzept des Rollenverhaltens wird sowohl in der Soziologie als auch in der Sozialpsychologie verwendet. Während die Soziologie vor allem die gesellschaftlichen Erwartungen und Normen untersucht, die mit sozialen Rollen verbunden sind, interessiert sich die Sozialpsychologie insbesondere dafür, wie Menschen diese Rollen wahrnehmen, übernehmen und in konkreten Situationen ausfüllen.
Für die Kriminologie besitzt Rollenverhalten insbesondere im Zusammenhang mit Polizei, Strafvollzug, Gerichten und anderen Institutionen Bedeutung. Berufliche Rollen können professionelles Handeln fördern, zugleich aber auch problematische Organisationskulturen, Machtmissbrauch oder gruppenspezifische Loyalitäten begünstigen. Deshalb wird Rollenverhalten häufig im Zusammenhang mit Organisationskultur, Gehorsam und sozialem Einfluss untersucht.
Theoriebezug
Das Konzept des Rollenverhaltens gehört zu den zentralen Gegenständen der Sozialpsychologie und spielt insbesondere im Situationismus eine wichtige Rolle. Es geht davon aus, dass menschliches Verhalten nicht ausschließlich durch stabile Persönlichkeitseigenschaften bestimmt wird, sondern wesentlich von den Erwartungen und Normen geprägt ist, die mit einer sozialen Rolle verbunden sind. Kriminologisch trägt das Konzept zum Verständnis von Polizeikultur, Gefängnissen, militärischen Organisationen und anderen Institutionen bei, in denen Rollenerwartungen das Verhalten beeinflussen können.
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