Frances Heidensohn
Personenprofil
- Name: Frances Heidensohn
- Geburtsjahr: 1937
- Land: Vereinigtes Königreich
- Disziplin(en): Feministische Kriminologie, Kriminologie, Soziologie
Weitere Informationen
Frances Heidensohn gilt als Begründerin der modernen feministischen Kriminologie. Geboren in London und über Jahrzehnte akademisch tätig am Goldsmiths College (University of London), prägte sie die Forschung zu Geschlecht und Kriminalität grundlegend. Heidensohn wandte sich gegen die männlich dominierten Paradigmen der traditionellen Kriminologie, die Frauen entweder ignorierten oder stereotyp erklärten.
Mit ihren empirisch und theoretisch breit angelegten Arbeiten machte sie auf systematische Verzerrungen aufmerksam: sowohl in der Kriminalitätsforschung als auch im Strafrecht, in der Polizeipraxis und im gesellschaftlichen Umgang mit weiblicher Devianz.
Heidensohn zeigte, dass die Vernachlässigung von Frauen in der Kriminologie kein Zufall war, sondern Ausdruck geschlechtsspezifischer Machtstrukturen. In ihrem Hauptwerk Women and Crime (1985) argumentierte sie, dass klassische Kriminalitätstheorien die sozialen Kontrollmechanismen übersehen, die Frauen stärker einschränken als Männer – insbesondere familiäre, moralische und institutionelle Kontrolle.
Ihr Ansatz verbindet Geschlechtersoziologie, Sozialkontrolltheorie und kritische Kriminologie. Heidensohn widerlegte zudem überkommene Annahmen, Frauen seien „biologisch weniger delinquent“, und zeigte stattdessen, wie Geschlechterrollen, soziale Ungleichheit und patriarchale Kontrolle Delinquenzchancen und Definitionsprozesse bestimmen.
Ihre Forschung legte die Grundlage für heutige Entwicklungen wie Gender-Criminology, Intersektionalitätsansätze und feministische Polizeiforschung.
Schlüsselwerke
- Women and Crime (1985)
- Gender and Justice: New Concepts and Approaches (mit Malcolm Cowburn und anderen, 2016)
- Women in Control? (1996)
- Zahlreiche Aufsätze zu Sozialkontrolle, Geschlecht, Devianz und Polizei
Weiterführende Beiträge