Der Strukturalismus ist ein makro- und kulturtheoretisches Paradigma, das soziale Wirklichkeit als Ausdruck tieferliegender, meist unbewusster Strukturmuster versteht. Gesellschaft entsteht nicht primär durch individuelle Bedeutungszuschreibungen oder funktionale Systemleistungen, sondern durch überindividuelle Ordnungsmuster – sprachliche, symbolische oder kulturelle Strukturen –, die individuelles Handeln prägen. Im Zentrum steht die Leitfrage: Wie strukturieren
Claude Lévi-Strauss
Claude Lévi-Strauss – Das wilde Denken (1962)
„Das wilde Denken“ (*La pensée sauvage*, 1962) zählt zu den einflussreichsten Texten des französischen Strukturalismus und markiert einen wichtigen Brückenschlag zwischen Ethnologie, Soziologie und Kulturwissenschaft. Claude Lévi-Strauss hinterfragt in diesem Werk die herkömmliche Unterscheidung zwischen „primitivem“ und „zivilisiertem“ Denken. Anhand zahlreicher ethnologischer Beispiele zeigt er, dass sogenannte „wilde“ Denkmuster –