Kurzdefinition
Labelling (auch: Labeling) bezeichnet den sozialen Prozess, durch den Personen oder Verhaltensweisen als abweichend, kriminell oder gesellschaftlich unerwünscht definiert und entsprechend behandelt werden. Der Begriff bildet das zentrale Konzept des Labelling-Ansatzes (Etikettierungstheorie).
Ausführliche Erklärung
Labelling (auch: Labeling; deutsch: Etikettierung) bezeichnet den sozialen Prozess, durch den Personen oder Verhaltensweisen gesellschaftlich als abweichend, kriminell oder unerwünscht definiert und entsprechend behandelt werden. Entscheidend ist dabei nicht allein das Verhalten einer Person, sondern die gesellschaftliche Reaktion darauf. Labelling beschreibt somit einen Prozess sozialer Zuschreibung, bei dem Menschen mit bestimmten Merkmalen oder Verhaltensweisen versehen werden, die ihre soziale Identität nachhaltig beeinflussen können.
Der Begriff entstand im Umfeld des Labelling-Ansatzes (Etikettierungstheorie), der seit den 1960er Jahren die Aufmerksamkeit von den Ursachen kriminellen Verhaltens auf gesellschaftliche Reaktionen und Definitionsprozesse verlagerte. Vertreter wie Howard S. Becker, Edwin M. Lemert oder Erving Goffman gingen davon aus, dass Devianz nicht allein durch eine Handlung entsteht, sondern wesentlich davon abhängt, wie andere Menschen oder gesellschaftliche Institutionen diese Handlung bewerten.
Labelling kann sowohl durch informelle soziale Beziehungen als auch durch formelle Institutionen erfolgen. Familien, Schulen, Freundeskreise oder Medien können Menschen ebenso etikettieren wie Polizei, Gerichte oder andere staatliche Einrichtungen. Solche Zuschreibungen beeinflussen, wie andere Personen den Betroffenen wahrnehmen, aber auch, wie diese sich selbst sehen und ihr zukünftiges Verhalten gestalten.
Aus soziologischer Sicht verdeutlicht Labelling, dass Devianz keine objektive Eigenschaft einer Handlung ist, sondern das Ergebnis sozialer Definitions- und Bewertungsprozesse. Welche Verhaltensweisen als normal oder abweichend gelten, hängt von gesellschaftlichen Normen, kulturellen Wertvorstellungen und bestehenden Machtverhältnissen ab.
Auch in der Kriminologie besitzt Labelling eine zentrale Bedeutung. Die Zuschreibung als „Straftäter“, „Intensivtäter“ oder „Gefährder“ kann weitreichende Folgen für die soziale Integration, die beruflichen Chancen und die Identitätsentwicklung einer Person haben. Wiederholte Etikettierungen können dazu beitragen, dass Betroffene gesellschaftliche Erwartungen übernehmen und sich zunehmend mit der zugeschriebenen Rolle identifizieren. Dieser Prozess bildet die Grundlage des Konzepts der sekundären Devianz.
Labelling ist eng mit Begriffen wie Stigma, Stigmatisierung, Othering, Vorurteil und Zuschreibung verbunden. Während Labelling den konkreten Prozess sozialer Etikettierung beschreibt, untersucht der Labelling-Ansatz die theoretischen Zusammenhänge und Folgen solcher Zuschreibungen für die Entstehung und Verstärkung von Devianz.
Theoriebezug
Labelling bildet das Kernkonzept des Labelling-Ansatzes (Etikettierungstheorie). Der Begriff beschreibt den sozialen Prozess der Zuschreibung von Devianz, während die Theorie erklärt, wie solche Zuschreibungen zur Entstehung oder Verstärkung abweichenden Verhaltens beitragen können. Darüber hinaus besitzt Labelling enge Bezüge zur Devianzsoziologie, zum Symbolischen Interaktionismus sowie zur Kritischen Kriminologie.
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