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Rohheitsdelikte

Kurzdefinition

Rohheitsdelikte sind Straftaten, die durch unmittelbare Gewalt gegen Personen oder durch erhebliche Eingriffe in die persönliche Freiheit gekennzeichnet sind. Sie bilden eine eigenständige Hauptgruppe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).

Ausführliche Erklärung

Rohheitsdelikte sind Straftaten, die durch unmittelbare Gewalt gegen Personen oder durch erhebliche Eingriffe in deren persönliche Freiheit gekennzeichnet sind. Der Begriff stammt aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und bezeichnet eine eigenständige Hauptgruppe besonders gewalt- und konfliktbezogener Straftaten.

Einordnung in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)Dieser Begriff gehört zu den Hauptgruppen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), mit denen polizeilich registrierte Straftaten bundesweit einheitlich erfasst und statistisch ausgewertet werden.

  • Straftaten gegen das Leben
  • Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • Rohheitsdelikte
  • Diebstahlsdelikte
  • Vermögens- und Fälschungsdelikte

Zu den Rohheitsdelikten zählen insbesondere Körperverletzung, Raub, räuberische Erpressung sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Bedrohung, Nötigung, Freiheitsberaubung oder Nachstellung (Stalking). Gemeinsam ist diesen Delikten, dass sie unmittelbar gegen Personen gerichtet sind und häufig mit körperlicher Gewalt oder der Androhung von Gewalt einhergehen.

Rohheitsdelikte gehören zu den Deliktsgruppen, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders stark beeinflussen. Obwohl sie zahlenmäßig deutlich hinter Eigentums- und Vermögensdelikten zurückbleiben, prägen sie die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität in besonderem Maße. Gewaltstraftaten genießen zudem eine hohe mediale Aufmerksamkeit und spielen eine zentrale Rolle in kriminalpolitischen Debatten.

Aus kriminologischer Sicht stehen bei Rohheitsdelikten insbesondere die Entstehungsbedingungen von Gewalt, situative Tatdynamiken, Täter-Opfer-Beziehungen sowie soziale Einflussfaktoren wie Alkohol, Gruppendruck oder soziale Desorganisation im Mittelpunkt. Die Erklärung solcher Delikte gehört zu den klassischen Untersuchungsfeldern der Gewaltkriminologie.

Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit Gewalt, Gewaltkriminalität, Körperverletzung, Raub, Nötigung und Häuslicher Gewalt.

Theoriebezug

Rohheitsdelikte werden aus unterschiedlichen kriminologischen Perspektiven untersucht. Gewalttheorien, Lerntheorien, Kontrolltheorien, Subkulturtheorien sowie situative Ansätze erklären, unter welchen individuellen, sozialen und situativen Bedingungen Gewalt gegen Personen entsteht. Darüber hinaus spielen Erkenntnisse der Viktimologie und der empirischen Gewaltforschung eine wichtige Rolle.

Verwandte Begriffe

Alkohol Gewalt Gewaltkriminalität Gruppendruck Häusliche Gewalt Nötigung Stalking (Nachstellung)

Weiterführende Beiträge

Jugendliche Gruppe im Hintergrund, Person mit Kapuze im Vordergrund – Symbolbild für Jugendkriminalität und Gruppendynamiken

Jugendkriminalität

Jugendkriminalität bezeichnet die Gesamtheit der von Jugendlichen und Heranwachsenden begangenen Straftaten. Im strafrechtlichen Kontext sind damit in Deutschland junge Menschen im Alter von 14 bis unter 21 Jahren gemeint, die nach den Regelungen des Jugendstrafrechts als Jugendliche oder Heranwachsende gelten.…

Urbaner Raum mit Graffiti und sozialer Isolation als Beispiel für soziale Desorganisation und Broken-Windows-Theorie

Soziale Desorganisation

Soziale Raumtheorien / Theorien der sozialen Desorganisation Kernidee der sozialen Desorganisation Theorien der sozialen Desorganisation gehen davon aus, dass Kriminalität nicht zufällig über den urbanen Raum verteilt ist, sondern sich in bestimmten sozialen und räumlichen Strukturen konzentriert. Bestimmte Nachbarschaften begünstigen…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Schwarz-weiße Luftaufnahme einer französischen Banlieue mit Hochhaussiedlungen und dem Titel „La Haine“ – Symbol für soziale Ausgrenzung, Jugendkultur und urbane Konflikte.

La Haine

Film

Der französische Kultfilm <em>La Haine</em> begleitet drei Jugendliche aus einer sozial benachteiligten Pariser Vorstadt während eines Tages nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizei. Der Film schildert Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit, Polizeikonflikte und die Eskalationsdynamik urbaner Gewalt und gilt als eine der bedeutendsten filmischen Darstellungen sozialer Ungleichheit in Europa.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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