Jack Katz
Personenprofil
- Name: Jack Katz
- Geburtsjahr: 1944
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Cultural Criminology, Kriminologie, Soziologie
- Themen: Devianz, Abweichendes Verhalten (Devianz), Gewalt, Subkultur, Symbolischer Interaktionismus, Soziales Handeln, Emotionen, Moralunternehmer, Kriminalisierung, Soziale Kontrolle, Cultural Criminology, Vulnerabilität, Macht, Staat, Exklusion
Weitere Informationen
Jack Katz ist ein US-amerikanischer Soziologe und einer der einflussreichsten Vertreter einer interpretativen und phänomenologischen Kriminologie. Er lehrte seit den 1980er-Jahren an der University of California, Los Angeles (UCLA) und ist international für seine empirisch dichten, ethnografisch fundierten Analysen bekannt. Katz untersucht Kriminalität nicht als Folge individueller Defizite oder sozialstruktureller Determinanten, sondern als bedeutsame, sinnhaft erlebte Handlung, die in situative, emotionale und moralische Bedeutungswelten eingebettet ist.
Mit seinem Werk Seductions of Crime (1988) etablierte Katz eine Perspektive, die den „sinnlichen“ und „verführerischen“ Charakter kriminellen Handelns betont. Seine Forschung eröffnet damit einen Zugang zu den emotionalen Dynamiken von Gewalt, Diebstahl, Vandalismus oder Gangkriminalität und gilt als Meilenstein für die Cultural Criminology sowie für mikroperspektivische, handlungssituierte Kriminologietheorien.
Katz’ zentraler Beitrag ist die analytische Verschiebung von strukturellen Erklärungsansätzen hin zu einer Phänomenologie des Tuns. Kriminelle Handlungen werden als „moralische Dramen“ verstanden, in denen Emotionen wie Wut, Demütigung, Stolz oder Spannung eine zentrale Rolle spielen.
In seinen Studien zeigt Katz, wie Täterinnen und Täter ihre Handlungen situativ deuten, rechtfertigen und emotional aufladen. Diese Perspektive hat die Cultural Criminology maßgeblich beeinflusst, insbesondere durch die Fokussierung auf:
- die ästhetische und symbolische Dimension von Devianz
- das moralische Erleben in Gewalt- und Konfliktsituationen
- die Bedeutung von Emotionen, Atmosphären und situativer Dynamik
- ethnografische Feldforschung als methodischen Zugang
Katz’ Arbeiten haben damit wesentlich zur Abkehr von rein rational-choice-orientierten, strukturalistischen oder pathologisierenden Erklärungsmodellen beigetragen.
Schlüsselwerke
- Seductions of Crime: Moral and Sensual Attractions in Doing Evil (1988) – einflussreiches Hauptwerk zur phänomenologischen Analyse krimineller Handlungen.
- How Emotions Work (1999) – theoretische Weiterentwicklung zur Bedeutung von Emotionen in sozialem Handeln.
- Street Codes: Understanding the Moral Life of the Streets (diverse Artikel, 1980er–2000er) – ethnografische Studien zu Gewalt, Gangs und moralischen Ordnungen.
- Crime and the Criminal Mind (Hg., 2010) – Sammelband mit interdisziplinären Beiträgen zu Kriminalität und abweichendem Verhalten.