Lloyd E. Ohlin
Personenprofil
- Name: Lloyd E. Ohlin
- Geburtsjahr: 1918
- Sterbejahr: 2008
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Kriminologie, Soziologie
- Themen: Anomie, Subkultur, Jugendkriminalität, Soziale Ungleichheit, Soziale Desorganisation, Kriminalitätstheorien, Devianz
Weitere Informationen
Lloyd E. Ohlin war ein US-amerikanischer Soziologe und Kriminologe, der vor allem für seine Arbeiten zur Jugendkriminalität, sozialen Ungleichheit und Delinquenz bekannt ist. Internationale Bedeutung erlangte er durch die gemeinsam mit Richard A. Cloward entwickelte Theorie der differentiellen Gelegenheitsstrukturen, die als Weiterentwicklung der Anomietheorie gilt.
Ohlin knüpfte an Robert K. Mertons Anomiekonzept an, kritisierte jedoch dessen einseitige Fokussierung auf kulturelle Ziel-Mittel-Diskrepanzen. Gemeinsam mit Cloward argumentierte er, dass nicht nur der Zugang zu legalen Mitteln sozial ungleich verteilt ist, sondern auch der Zugang zu illegalen Gelegenheitsstrukturen. Delinquentes Verhalten sei daher nicht bloß Reaktion auf strukturelle Blockaden, sondern erfordere spezifische Lern- und Zugangsmöglichkeiten innerhalb bestimmter sozialer Milieus.
Zentral ist Ohlins Beitrag zur Subkulturtheorie, insbesondere die Differenzierung zwischen kriminellen, konfliktorientierten und rückzugsorientierten Subkulturen. Diese Typologie ermöglichte eine differenzierte Erklärung jugendlicher Devianz jenseits pauschaler Armuts- oder Desorganisationsannahmen. Ohlins Arbeiten beeinflussten sowohl die Kriminalitätstheorie als auch kriminalpolitische Debatten um Prävention, Jugendhilfe und Sozialpolitik.
Schlüsselwerke
- Delinquency and Opportunity: A Theory of Delinquent Gangs (mit Richard A. Cloward, 1960)
- Crime and Justice: An Introduction (1967)
- Sociology and the Field of Corrections (Aufsätze)