Parasite (2019)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: 기생충
- Deutscher Titel: Parasite
- Erscheinungsjahr: 2019
- Land: Südkorea
- Regie / Creator / Showrunner: Bong Joon-ho
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 132 Minuten
- Schwerpunkte: Klasse/Schichtung/Status, Kultur & soziale Normen, Lebensstil & Distinktion, Segregation & sozialräumliche Ungleichheit, Soziale Ungleichheit, Soziale Ungleichheit & Sozialstruktur
Kriminologische Relevanz
Parasite verbindet Kriminalität konsequent mit Fragen sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Klassenstruktur. Die Familie Kim lebt in prekären Verhältnissen und verfügt trotz vorhandener Fähigkeiten nur über begrenzte Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe. Ihre Täuschungen und Regelverletzungen erscheinen vor diesem Hintergrund nicht als Ausdruck individueller Pathologie, sondern als Handlungsstrategien innerhalb einer Gesellschaft, in der Ressourcen, Chancen und sozialer Status höchst ungleich verteilt sind.
Besonders deutlich lässt sich der Film mit marxistischen und konflikttheoretischen Ansätzen der Kriminologie lesen. Die räumliche Inszenierung macht gesellschaftliche Hierarchien buchstäblich sichtbar: Während die wohlhabende Familie Park in einem großzügigen Haus oberhalb der Stadt lebt, wohnen die Kims in einer Souterrainwohnung und eine weitere Familie schließlich vollständig unter der Erde. Sozialer Aufstieg wird dabei immer wieder als Bewegung nach oben, sozialer Abstieg als Bewegung nach unten dargestellt.
Zugleich bietet Parasite Anknüpfungspunkte an Mertons Anomietheorie. Materieller Erfolg und gesellschaftlicher Aufstieg erscheinen als allgemein anerkannte Ziele, während legitime Möglichkeiten zu ihrer Verwirklichung höchst ungleich verteilt sind. Die Kims reagieren auf diese Diskrepanz mit innovativen Strategien: Sie akzeptieren die gesellschaftlichen Erfolgsziele, bedienen sich zu deren Erreichung jedoch illegitimer Mittel.
Bemerkenswert ist schließlich, dass der zentrale Konflikt des Films nicht unmittelbar zwischen Arm und Reich ausgetragen wird. Stattdessen konkurrieren sozial benachteiligte Menschen miteinander um den Zugang zu den Ressourcen der Wohlhabenden. Parasite zeigt damit, wie soziale Ungleichheit Konkurrenz, Abhängigkeit und Gewalt auch innerhalb benachteiligter Gruppen hervorbringen kann. Kriminalität erscheint nicht losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen, sondern als Teil eines umfassenderen Systems sozialer Ungleichheit.
Bildquelle:
Killamator, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Marxistische Kriminalitätstheorien
Anomietheorie (Merton)
Konflikttheorien der Kriminologie (herrschafts- und gesellschaftskritische Ansätze)
Schlüsselwerke
Richard Quinney – Class, State, and Crime (1977)
Jock Young – The Exclusive Society (1999)
Jeff Ferrell, Keith Hayward & Jock Young – Cultural Criminology: An Invitation (2008)
Pierre Bourdieu – Die feinen Unterschiede (1979)