Kurzdefinition
Policing bezeichnet die Gesamtheit gesellschaftlicher Praktiken, Institutionen und Strategien zur Herstellung von Ordnung, Sicherheit und sozialer Kontrolle – unabhängig davon, ob sie von der staatlichen Polizei ausgeübt werden oder nicht.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Policing geht über ein enges Verständnis von Polizei als staatlicher Organisation hinaus. Er umfasst alle Formen der formellen und informellen Kontrolle, durch die soziale Ordnung hergestellt, Normen durchgesetzt und Sicherheit produziert wird. Dazu zählen neben der staatlichen Polizei auch private Sicherheitsdienste, kommunale Ordnungsdienste, Nachbarschaftsinitiativen, algorithmische Überwachungssysteme sowie administrative und präventive Steuerungsformen.
In der sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Forschung dient Policing als analytischer Rahmen, um Macht-, Kontroll- und Governance-Strukturen zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei weniger auf einzelnen Akteuren als auf Praktiken, Diskursen und Technologien der Kontrolle. Besonders seit den 1990er-Jahren wird Policing zunehmend im Kontext von Neoliberalismus, Privatisierung, Digitalisierung und Globalisierung diskutiert.
Kritische Ansätze betonen, dass Policing nicht nur Sicherheit produziert, sondern auch Ungleichheiten reproduzieren kann – etwa durch selektive Kontrolle, Überwachung marginalisierter Gruppen oder die Ausweitung präventiver Eingriffe jenseits klassischer Strafverfolgung.
Theoriebezug
Der Begriff Policing ist zentral für die Polizeisoziologie, Kritische Kriminologie, Gouvernementalitätsforschung (Foucault), Sicherheitsforschung sowie für Konzepte wie Social Control, Risk Governance und Surveillance Studies.