George L. Kelling
Personenprofil
- Name: George L. Kelling
- Geburtsjahr: 1935
- Sterbejahr: 2019
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Kriminologie, Polizeiforschung, Stadtsoziologie
- Themen: Community Policing, Broken Windows Ansatz, Prävention, Situational Crime Prevention, Soziale Kontrolle, Polizeikultur, Gefahrenabwehr, Hotspot, Kriminalitätsfurcht, Exklusion, Racial Profiling, Polizei, Rassismus, Macht, Staat
Weitere Informationen
George L. Kelling war ein US-amerikanischer Kriminologe und einer der einflussreichsten Theoretiker moderner Polizeiarbeit. Bekannt wurde er vor allem als Mitautor des Broken-Windows-Ansatzes, der die Bedeutung sichtbarer sozialer Unordnung für Kriminalitätsfurcht, Normerosion und polizeiliche Interventionsstrategien hervorhebt.
Kelling studierte an der St. Olaf College und promovierte an der University of Wisconsin-Madison. Er arbeitete als Forscher für mehrere große US-Polizeibehörden, war Senior Fellow am Manhattan Institute sowie langjähriger Berater für Polizeireformen in New York, Los Angeles und Newark. Seine Forschung richtete sich vor allem auf Fußstreifenpolizei, Qualitätsoffensiven im öffentlichen Raum und problemorientierte Polizeiarbeit.
Kellings zentrale Beiträge liegen in der Verbindung von Stadtsoziologie, Polizeistrategien und Kriminalprävention.
Sein gemeinsam mit James Q. Wilson veröffentlichter Broken-Windows-Ansatz (1982) geht davon aus, dass bereits geringe Formen der Unordnung – zerbrochene Scheiben, Vermüllung, Graffiti, aggressives Auftreten – als Signale sozialer Erosion wirken und Kriminalität begünstigen. Für Kelling erzeugt wahrnehmbare Verwahrlosung einen Kontext, in dem informelle Kontrolle schwächer wird, sozialer Rückzug zunimmt und formelle Kontrolle intensiviert wird.
Er war zudem ein Pionier der empirischen Polizeiforschung. Seine Arbeiten über Fußstreifenpolizei und über die Interaktion zwischen Polizei und Bürgern beeinflussten zentrale Polizeikonzeptionen wie Community Policing und Problem-Oriented Policing.
Kellings Ansätze wurden international breit rezipiert – von konservativen „Zero Tolerance“-Strategien bis hin zu differenzierten, sozialwissenschaftlich informierten Ordnungskonzepten. Kritisiert wurde sein Ansatz wegen des Risikos selektiver Kontrolle, Racial Profiling und der verschärften Verfolgung von Bagatelldelikten.
Schlüsselwerke
- Broken Windows: The Police and Neighborhood Safety (mit James Q. Wilson, 1982) – grundlegender Aufsatz, der den Broken-Windows-Ansatz etablierte.
- Fixing Broken Windows: Restoring Order and Reducing Crime in Our Communities (mit Catherine M. Coles, 1996) – weiterführende Darstellung der Theorie und ihrer politischen Umsetzung.
- Foot Patrol Experiment (mit Tony Pate u. a., 1980er) – Studien zur Fußstreifenpolizei, zentrale Grundlage für Community Policing.
- Policing and Fear (verschiedene Artikel, 1970er–1990er) – empirische Arbeiten zum Zusammenhang von Polizei, Ordnung, Kriminalitätsfurcht und urbanem Raum.