John Keith Irwin

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John Keith Irwin war einer der prägendsten Gefängnissoziologen der Vereinigten Staaten und eine zentrale Figur der kritischen Kriminologie. Geboren in Los Angeles, verbrachte er selbst mehrere Jahre in Haft – eine Erfahrung, die seine spätere wissenschaftliche und politische Arbeit nachhaltig prägte. Nach seiner Entlassung studierte er Soziologie an der University of California, Los Angeles (UCLA) und wurde später Professor an der San Francisco State University.

Irwin kombinierte empirische Forschung, Insider-Perspektive und politische Reformarbeit. Er war Mitbegründer der Convict Criminology und engagierte sich intensiv gegen Masseninhaftierung, übermäßige Strafrahmen und unmenschliche Haftbedingungen in den USA.

Irwin analysierte Gefängnisse nicht als neutrale Institutionen, sondern als Orte sozialer Kontrolle, Macht und Exklusion. Er zeigte, dass Gefängnisse spezifische soziale Welten hervorbringen – mit eigenen Regeln, Rollen, Identitäten und Überlebensstrategien. In Werken wie The Felon oder Prisons in Turmoil dokumentierte er, wie Haftanstalten soziale Ungleichheit reproduzieren und gesellschaftliche Probleme verschärfen, anstatt sie zu lösen.

Irwin prägte das Konzept der „social worlds“ im Strafvollzug und lieferte zentrale ethnografische Einsichten in Gefängnismärkte, Subkulturen, Gewalt und institutionelle Dynamiken. Mit The Warehouse Prison kritisierte er das moderne Phänomen der „Lagergefängnisse“, die Menschen lediglich verwahren, ohne Resozialisierung zu ermöglichen.

Seine Perspektive beeinflusst bis heute Gefängnisforschung, abolitionistische Ansätze und kritische Kriminologie.

Schlüsselwerke

  • The Felon (1970)
  • Prisons in Turmoil (1980)
  • The Jail: Managing the Underclass in American Society (mit James Austin, 1992)
  • The Warehouse Prison: Disposal of the New Dangerous Class (2005)
  • Zahlreiche Beiträge zur Gefängnissubkultur, Masseninhaftierung und Convict Criminology

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