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Vorurteil

Kurzdefinition

Ein Vorurteil ist eine vorgefasste, meist vereinfachende und wertende Einstellung gegenüber Personen oder Gruppen, die nicht auf eigener Erfahrung, sondern auf generalisierenden Annahmen beruht. Vorurteile können Diskriminierung, soziale Ausgrenzung und gesellschaftliche Konflikte begünstigen.

Ausführliche Erklärung

Ein Vorurteil ist eine vorgefasste Meinung oder Bewertung gegenüber einer Person oder einer sozialen Gruppe, die nicht auf eigener Erfahrung oder einer sachlichen Prüfung beruht. Vorurteile entstehen durch vereinfachende Zuschreibungen und Verallgemeinerungen, bei denen einzelnen Menschen Eigenschaften allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zugeschrieben werden. Sie können sowohl positiv als auch negativ sein, sind in den Sozialwissenschaften jedoch meist mit abwertenden Einstellungen verbunden.

Vorurteile gehören zu den grundlegenden Forschungsgegenständen der Sozialpsychologie und Soziologie. Sie entstehen, weil Menschen ihre komplexe Umwelt vereinfachen und andere Personen oder Situationen anhand vorhandener Erfahrungen und Kategorien einordnen. Diese Form der Kategorisierung ermöglicht schnelle Entscheidungen und Orientierung im Alltag und erfüllt damit zunächst eine wichtige kognitive Funktion. Problematisch werden Vorurteile jedoch dann, wenn sie zu pauschalen Bewertungen führen, individuelle Unterschiede ausblenden oder diskriminierendes Verhalten gegenüber einzelnen Personen oder Gruppen rechtfertigen.

Vorurteile richten sich beispielsweise gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters oder ihrer sozialen Schicht. Sie äußern sich in abwertenden Einstellungen, diskriminierendem Verhalten oder der Forderung nach Benachteiligung bestimmter Gruppen. Vorurteile müssen dabei nicht bewusst geäußert werden; auch unbewusste (implizite) Vorurteile können Wahrnehmungen und Entscheidungen beeinflussen.

Aus soziologischer Sicht entstehen Vorurteile nicht allein auf individueller Ebene, sondern werden durch Sozialisation, Medien, politische Diskurse und gesellschaftliche Machtverhältnisse geprägt. Sie tragen dazu bei, soziale Grenzen zwischen einem vermeintlichen „Wir“ und „den Anderen“ aufrechtzuerhalten und bestehende Ungleichheiten zu legitimieren.

Auch in der Kriminologie besitzen Vorurteile eine große Bedeutung. Bestimmte Bevölkerungsgruppen werden häufig pauschal mit Kriminalität oder Gewalt in Verbindung gebracht, obwohl solche Zuschreibungen empirisch nicht haltbar oder stark vereinfachend sind. Vorurteile können polizeiliche Kontrollpraktiken, Strafverfolgung und öffentliche Debatten beeinflussen und bilden die Grundlage sogenannter Vorurteilskriminalität, bei der Menschen gerade wegen ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit angegriffen werden.

Auch aus kriminalpräventiver Sicht sind Vorurteile nicht grundsätzlich irrational. Menschen treffen im Alltag fortlaufend Einschätzungen darüber, welche Situationen oder Personen sie als sicher oder potenziell gefährlich wahrnehmen. Solche Heuristiken können dazu beitragen, Risiken schnell einzuschätzen und Gefahren zu vermeiden. Problematisch wird dies jedoch, wenn pauschale Zuschreibungen an die Stelle individueller Beurteilungen treten oder staatliche Institutionen Menschen allein aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit unterschiedlich behandeln. Ein häufig diskutiertes Beispiel ist das Racial Profiling, bei dem polizeiliche Kontrollen an äußere Merkmale wie Hautfarbe oder ethnische Herkunft anknüpfen. Die Grenze zwischen legitimer Risikoeinschätzung und unzulässiger Diskriminierung ist daher sowohl wissenschaftlich als auch rechtlich Gegenstand kontroverser Debatten.

Vorurteile sind eng mit Begriffen wie Othering, Stigmatisierung, Stereotypen und Diskriminierung verbunden. Während Stereotype vor allem verallgemeinerte Vorstellungen über Gruppen beschreiben, bezeichnen Vorurteile deren wertende Beurteilung.

Theoriebezug

Vorurteile spielen insbesondere in der Sozialpsychologie, der Devianzsoziologie sowie der Kritischen und Feministischen Kriminologie eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen Prozesse sozialer Ausgrenzung, können zur Konstruktion gesellschaftlicher Feindbilder beitragen und bilden häufig die Grundlage von Diskriminierung, Othering und Vorurteilskriminalität. Auch der Labelling-Ansatz knüpft an die Frage an, wie gesellschaftliche Zuschreibungen Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen.

Verwandte Begriffe

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American History X (1998)

Spielfilm

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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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