Einleitung
Psychologie gehört zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland – und zugleich zu den Fächern, über die besonders viele falsche Vorstellungen bestehen. Studieninteressierte verbinden das Psychologiestudium häufig mit Psychotherapie, Menschenkenntnis oder der Fähigkeit, Gedanken und Persönlichkeiten zu „durchschauen“. Filme und Krimiserien ergänzen dieses Bild um forensische Psychologinnen, FallanalytikerEin Fallanalytiker ist ein speziell ausgebildeter Kriminalbeamter, der im Rahmen der Operativen Fallanalyse (OFA) komplexe Gewaltverbrechen analysiert. Ziel seiner Arbeit ist die Entwicklung kriminalistisch begründeter Hypothesen zur Unterstützung polizeilicher Ermittlungen. und Profiler, die aus wenigen Verhaltensspuren weitreichende Schlüsse ziehen.
Das tatsächliche Studium sieht anders aus. Psychologie ist eine empirische Wissenschaft, die menschliches Erleben und Verhalten systematisch untersucht. Statistik, Versuchsplanung, Diagnostik und Forschungsmethoden nehmen deshalb einen erheblichen Raum ein. Wer Psychologie studiert, führt nicht vom ersten Semester an therapeutische Gespräche, sondern lernt zunächst, wissenschaftliche Fragestellungen zu formulieren, Untersuchungen zu planen, Daten auszuwerten und psychologische Aussagen kritisch zu prüfen.
Dieser Beitrag erklärt, was Dich in einem Psychologiestudium erwartet, welche Voraussetzungen Du mitbringen solltest und welche beruflichen Möglichkeiten sich nach dem Abschluss eröffnen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Schnittstellen zur Soziologie und Kriminologie – von der SozialpsychologieDie Sozialpsychologie untersucht, wie Denken, Fühlen und Handeln von Menschen durch die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer beeinflusst werden. über psychische Störungen und soziale Zuschreibungsprozesse bis zur Rechtspsychologie, Begutachtung und Operativen Fallanalyse.
Psychologie studieren: Das Wichtigste auf einen Blick
- Psychologie ist die empirische Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten.
- Das Studium enthält einen großen Anteil an Statistik, Forschungsmethoden, Diagnostik und Versuchsplanung.
- Psychologie ist nicht mit Psychotherapie gleichzusetzen. Nur ein Teil der Absolventinnen und Absolventen arbeitet später therapeutisch.
- Psychologinnen und Psychologen sind keine Ärztinnen oder Ärzte. Psychiaterinnen und Psychiater haben Medizin studiert.
- Wer psychotherapeutisch arbeiten möchte, muss bereits bei der Wahl des Bachelorstudiengangs auf dessen Approbationskonformität achten.
- Psychologie ist stark zulassungsbeschränkt. Neben der Abiturnote berücksichtigen viele Hochschulen inzwischen einen Studieneignungstest.
- Forensische und rechtspsychologische Tätigkeiten sind reale Berufsfelder; der aus Film und Fernsehen bekannte „ProfilerAls Profiler werden umgangssprachlich Fachleute bezeichnet, die Ermittlungsbehörden bei der Analyse schwerer Gewaltverbrechen unterstützen. Die Berufsbezeichnung ist weder geschützt noch existiert eine eigenständige Ausbildung zum Profiler. In Deutschland wird stattdessen überwiegend im Rahmen der Operativen Fallanalyse gearbeitet.“ ist dagegen kein regulärer deutscher Ausbildungsberuf.
Was ist Psychologie?
Psychologie untersucht das Erleben und Verhalten von Menschen. Dazu gehören unter anderem Wahrnehmung, Denken, Lernen, Gedächtnis, Motivation, EmotionenEmotionen sind subjektive Erlebenszustände, die mit physiologischen und sozialen Reaktionen verbunden sind., Persönlichkeit, soziale Beziehungen, Entwicklung und psychische Gesundheit.
Im Alltag werden psychologische Erklärungen häufig intuitiv formuliert. Menschen schreiben anderen bestimmte Charaktereigenschaften zu, vermuten verborgene Motive oder erklären Verhalten mit persönlichen Erfahrungen. Wissenschaftliche Psychologie geht anders vor. Sie entwickelt überprüfbare Hypothesen, erhebt systematisch Daten und untersucht, ob sich vermutete Zusammenhänge empirisch bestätigen lassen.
Eine psychologische Aussage muss deshalb mehr leisten als plausibel zu klingen. Es muss geklärt werden, wie die untersuchten Merkmale definiert und gemessen wurden, ob eine Stichprobe aussagekräftig ist, welche alternativen Erklärungen bestehen und wie sicher sich Ergebnisse auf andere Personen oder Situationen übertragen lassen.
Psychologie bedeutet nicht, Menschen intuitiv zu analysieren
Wer Psychologie studiert, erwirbt keine geheimnisvolle Fähigkeit, die Gedanken anderer Menschen zu lesen. Psychologische Urteile beruhen im professionellen Kontext auf Theorien, wissenschaftlichen Befunden, strukturierten Gesprächen, Beobachtungen und diagnostischen Verfahren. Gerade das Studium zeigt, wie fehleranfällig spontane Menschenkenntnis und scheinbar eindeutige Persönlichkeitseinschätzungen sein können.
Ist Psychologie das richtige Studienfach für mich?
Das Interesse an Menschen ist eine wichtige Voraussetzung für das Psychologiestudium, reicht allein aber nicht aus. Du solltest ebenso bereit sein, Dich mit abstrakten Modellen, empirischen Studien, wissenschaftlichen Texten und statistischen Auswertungen auseinanderzusetzen.
Das Psychologiestudium könnte gut zu Dir passen, wenn …
- Du menschliches Erleben und Verhalten wissenschaftlich untersuchen möchtest.
- Du bereit bist, intuitive Erklärungen kritisch zu hinterfragen.
- Du Interesse an Biologie, Sozialwissenschaften und empirischer Forschung hast.
- Du sorgfältig mit Daten und wissenschaftlichen Befunden arbeiten kannst.
- Du Dich nicht grundsätzlich vor Mathematik und Statistik scheust.
- Du englischsprachige Fachliteratur lesen möchtest.
- Du komplexe Zusammenhänge verständlich erklären kannst.
- Du Dich für unterschiedliche Anwendungsfelder interessierst und Psychologie nicht ausschließlich mit Therapie verbindest.
Weniger geeignet könnte das Studium sein, wenn …
- Du hauptsächlich psychologische Tricks oder Techniken zur Menschenkenntnis lernen möchtest.
- Du Statistik und wissenschaftliche Methoden vollständig vermeiden willst.
- Du ausschließlich therapeutische Gespräche erwartest.
- Du das Studium vor allem zur Bewältigung eigener psychischer Belastungen beginnen möchtest.
- Du glaubst, ein Psychologieabschluss führe automatisch in die Psychotherapie.
- Du Dich eigentlich stärker für gesellschaftliche Strukturen, soziale Ungleichheit oder Institutionen interessierst.
Ein Psychologiestudium ist keine Therapie
Eigene Erfahrungen mit psychischen Krisen oder Erkrankungen können das Interesse an Psychologie wecken. Auch der Wunsch, andere Menschen zu unterstützen, ist ein nachvollziehbares Motiv für die Studienwahl. Ein Psychologiestudium dient jedoch nicht der Behandlung eigener psychischer Belastungen.
Lehrveranstaltungen zur Klinischen Psychologie können sich mit Depressionen, Angststörungen, Traumatisierungen, Suchterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen beschäftigen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Themen kann persönlich berühren und eigene Erfahrungen aktivieren. Sie ersetzt aber weder Diagnostik noch Beratung oder Psychotherapie.
Studierende sollten deshalb nicht erwarten, im Studium automatisch ihre eigene Biografie aufzuarbeiten oder individuelle Probleme zu lösen. Im Mittelpunkt stehen wissenschaftliche Theorien, diagnostische Klassifikationen, empirische Befunde sowie die Untersuchung von Entstehung, Verlauf, PräventionVorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten oder sozialen Problemen. und Behandlung psychischer Störungen.
Interesse aus eigener Erfahrung ist legitim
Eigene Erfahrungen mit psychischer Gesundheit schließen ein Psychologiestudium keineswegs aus. Entscheidend ist, zwischen persönlicher Betroffenheit und wissenschaftlicher beziehungsweise professioneller Arbeit unterscheiden zu können. Wer selbst Unterstützung benötigt, sollte dafür die entsprechenden Beratungs- und Behandlungsangebote nutzen – nicht das Studium.
Psychologie ist nicht Psychotherapie
Die Begriffe Psychologie und Psychotherapie werden im Alltag häufig gleichgesetzt. Tatsächlich bezeichnet Psychologie eine Wissenschaft mit zahlreichen Grundlagen- und Anwendungsgebieten. Psychotherapie ist dagegen eine Form der Behandlung psychischer Erkrankungen mit wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und Methoden.
Viele Psychologinnen und Psychologen arbeiten niemals psychotherapeutisch. Mögliche Tätigkeitsfelder liegen beispielsweise in Unternehmen, Personalentwicklung, Marktforschung, Schulpsychologie, Beratung, Verkehrspsychologie, Gesundheitsförderung, Forschung, Diagnostik oder Rechtspsychologie.
Wie wird man Psychotherapeutin oder Psychotherapeut?
Der Ausbildungsweg wurde in Deutschland grundlegend reformiert. Wer heute ein Studium beginnt und später psychotherapeutisch arbeiten möchte, muss bereits bei der Studienwahl darauf achten, einen dafür zugelassenen Studiengang zu belegen.
Der reguläre neue Ausbildungsweg besteht grundsätzlich aus:
- einem dreijährigen Bachelorstudium, das die gesetzlich vorgeschriebenen psychotherapeutischen Studieninhalte umfasst,
- einem zweijährigen Masterstudium mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie,
- einer staatlichen psychotherapeutischen Prüfung,
- der Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut,
- einer anschließenden mehrjährigen Weiterbildung zur Fachpsychotherapeutin beziehungsweise zum Fachpsychotherapeuten.
Die Approbation wird damit bereits nach dem dafür qualifizierenden Universitätsstudium und der staatlichen Prüfung erteilt. Für eine eigenständige Tätigkeit in der ambulanten Versorgung gesetzlich Versicherter und für weitere spezialisierte Tätigkeiten ist anschließend eine fachpsychotherapeutische Weiterbildung erforderlich.
Die Reform sollte den früheren Ausbildungsweg ablösen, bei dem auf ein Psychologiestudium eine zusätzliche Psychotherapieausbildung folgte. Diese alte Ausbildung war für viele Absolventinnen und Absolventen mit hohen Gebühren und unzureichend vergüteten praktischen Tätigkeiten verbunden. Für Personen, die ihre Ausbildung nach den früheren Regelungen begonnen haben, bestehen noch Übergangsbestimmungen.
Die Finanzierung der Weiterbildung bleibt ein Problem
Auch nach der Ausbildungsreform ist der Weg zur fachpsychotherapeutischen Tätigkeit lang. Insbesondere die verlässliche Finanzierung ausreichender Weiterbildungsstellen ist bislang nicht abschließend gesichert. Studieninteressierte sollten sich daher frühzeitig über die aktuelle Studienstruktur, die Approbationskonformität des Bachelorstudiengangs und die anschließenden Weiterbildungsmöglichkeiten informieren.
Nicht jeder Psychologie-Bachelor eröffnet den Weg zur Psychotherapie
Die Bezeichnung „Psychologie“ im Namen eines Studiengangs reicht nicht aus. Insbesondere Studiengänge an privaten Hochschulen, Fernstudiengänge oder spezialisierte Angebote wie Wirtschaftspsychologie können andere Inhalte und rechtliche Voraussetzungen haben.
Wer Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden möchte, sollte vor der Einschreibung ausdrücklich prüfen, ob der Bachelorstudiengang die Voraussetzungen für einen entsprechenden Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie erfüllt. Eine spätere Korrektur fehlender Studieninhalte kann schwierig oder unmöglich sein.
Psychologin, Psychotherapeutin oder Psychiaterin?
Psychologinnen, Psychotherapeutinnen und Psychiaterinnen beschäftigen sich teilweise mit ähnlichen Problemen, haben jedoch unterschiedliche Ausbildungswege und berufliche Befugnisse.
| Beruf | Ausbildungsweg | Typische Aufgaben |
|---|---|---|
| Psychologin bzw. Psychologe | Studium der Psychologie, in der Regel Bachelor und Master | Forschung, Diagnostik, Beratung, Personalwesen, Bildung, Gesundheitsförderung, Rechtspsychologie und weitere psychologische Tätigkeiten |
| Psychotherapeutin bzw. Psychotherapeut | Approbationskonformes Studium, staatliche Prüfung, Approbation und anschließende fachpsychotherapeutische Weiterbildung | Diagnostik und psychotherapeutische Behandlung psychischer Erkrankungen |
| Psychiaterin bzw. Psychiater | Medizinstudium, ärztliche Approbation und Facharztweiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie | Ärztliche Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen, einschließlich körperlicher Untersuchungen und medikamentöser Therapie |
Psychiaterinnen und Psychiater sind Ärztinnen und Ärzte. Sie dürfen deshalb körperliche Ursachen psychischer Beschwerden medizinisch untersuchen und Medikamente verordnen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten behandeln psychische Erkrankungen mit psychotherapeutischen Verfahren, verfügen aber nicht allein aufgrund ihrer psychotherapeutischen Approbation über die ärztliche Befugnis zur Verschreibung von Medikamenten.
Eine Person kann außerdem mehrere Qualifikationen verbinden. So können Ärztinnen und Ärzte psychotherapeutische Zusatz- oder Facharztqualifikationen erwerben. Umgekehrt ist nicht jede Psychologin automatisch Psychotherapeutin.
Welche Inhalte hat ein Psychologiestudium?
Psychologiestudiengänge unterscheiden sich zwischen den Hochschulen. Ein allgemeiner Bachelor vermittelt jedoch typischerweise Grundlagenfächer, Methodenkompetenzen und erste Anwendungsfächer. Im Master werden bestimmte Bereiche vertieft und stärker mit Forschung oder beruflicher Anwendung verbunden.
Allgemeine Psychologie
Die Allgemeine Psychologie untersucht grundlegende Prozesse, die grundsätzlich bei allen Menschen auftreten. Dazu gehören Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, LernenLernen ist ein Prozess, durch den Individuen durch Erfahrung, Beobachtung oder Instruktion dauerhaftes Wissen, Fähigkeiten oder Verhaltensweisen erwerben oder verändern., Gedächtnis, Denken, Sprache, Motivation und Emotion.
Typische Fragen lauten: Wie werden Reize verarbeitet? Wie entstehen Erinnerungen? Warum richtet sich Aufmerksamkeit auf bestimmte Informationen? Wie beeinflussen Gefühle Entscheidungen? Wie lernen Menschen aus Erfahrungen?
Biologische Psychologie und Neuropsychologie
Die Biologische Psychologie beschäftigt sich mit den körperlichen und neuronalen Grundlagen von Erleben und Verhalten. Untersucht werden etwa das Nervensystem, Gehirnfunktionen, Hormone, genetische Einflüsse, Stressreaktionen und psychophysiologische Prozesse.
In der Neuropsychologie geht es unter anderem darum, wie Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns Wahrnehmung, Gedächtnis, Sprache, Persönlichkeit und Verhalten beeinflussen.
Entwicklungspsychologie
Die Entwicklungspsychologie untersucht Veränderungen des Erlebens und Verhaltens über die Lebensspanne. Sie befasst sich nicht nur mit Kindheit und Jugend, sondern auch mit Erwachsenenalter und Altern.
Zu den Themen gehören beispielsweise Bindung, Spracherwerb, moralische Entwicklung, Identitätsbildung, kognitive Entwicklung und der Umgang mit altersbezogenen Veränderungen.
Sozialpsychologie
Die Sozialpsychologie untersucht, wie Denken, Fühlen und Verhalten durch andere Menschen und soziale Situationen beeinflusst werden. Sie bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Psychologie und Soziologie.
Typische Themen sind KonformitätKonformität bezeichnet die Anpassung des eigenen Verhaltens, der Einstellungen oder Meinungen an die tatsächlichen oder vermuteten Erwartungen einer sozialen Gruppe. Sie fördert den sozialen Zusammenhalt, kann aber auch kritisches Denken und eigenständiges Handeln einschränken., Gehorsam, Gruppendruck, Vorurteile, Stereotype, soziale Wahrnehmung, Aggression, Hilfeverhalten, Einstellungen und zwischenmenschliche Beziehungen.
Für die Kriminologie ist die Sozialpsychologie besonders relevant. Sie hilft beispielsweise zu erklären, wie Gruppendynamiken, Autorität, DeindividuationDeindividuation bezeichnet einen psychologischen Zustand, in dem Menschen innerhalb einer Gruppe ihr individuelles Verantwortungsgefühl und ihre Selbstwahrnehmung teilweise verlieren. Dies kann dazu führen, dass sie Verhaltensweisen zeigen, die sie allein möglicherweise ablehnen würden., moralische Rechtfertigungen oder Zuschreibungsprozesse zu abweichendem und gewaltsamem Verhalten beitragen können.
Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
Die Differentielle Psychologie untersucht Unterschiede zwischen Menschen. Dazu gehören Persönlichkeitseigenschaften, Intelligenz, Fähigkeiten, Interessen, Motive und emotionale Dispositionen.
Studierende lernen, wie solche Merkmale theoretisch beschrieben und empirisch gemessen werden können. Dabei wird zugleich deutlich, dass Persönlichkeitstests nicht einfach objektive Wahrheiten über Menschen liefern, sondern bestimmte theoretische Annahmen, Messverfahren und Gütekriterien voraussetzen.
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Die Klinische Psychologie beschäftigt sich mit der Entstehung, Aufrechterhaltung, Diagnostik, Prävention und Behandlung psychischer Störungen. Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen, Suchterkrankungen, Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen.
Das Fach untersucht außerdem, wie psychische und körperliche Gesundheit zusammenwirken, welche Risikofaktoren bestehen und wie die Wirksamkeit von Präventions- und Behandlungsverfahren wissenschaftlich geprüft werden kann.
Psychologische Diagnostik
Psychologische Diagnostik umfasst die systematische Erhebung und Beurteilung psychologisch relevanter Merkmale. Dazu können Tests, strukturierte Interviews, Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen und biografische Informationen verwendet werden.
Studierende beschäftigen sich unter anderem mit Testtheorie, Messfehlern, Normwerten und den Gütekriterien Objektivität, ReliabilitätReliabilität bezeichnet die Zuverlässigkeit einer Messung und beschreibt, ob ein Messverfahren bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen zu denselben Ergebnissen führt. und Validität. Diagnostische Entscheidungen müssen nachvollziehbar begründet werden und dürfen nicht allein auf Intuition beruhen.
Arbeits- und Organisationspsychologie
Die Arbeits- und Organisationspsychologie untersucht menschliches Verhalten in der Arbeitswelt. Themen sind beispielsweise Personalauswahl, Führung, Motivation, Teamarbeit, Arbeitszufriedenheit, Belastung, Gesundheit und Organisationsentwicklung.
Dieser Bereich eröffnet Berufsmöglichkeiten in Unternehmen, Verwaltungen, Beratungen und Personalabteilungen.
Pädagogische Psychologie
Die Pädagogische Psychologie beschäftigt sich mit Lernen, Lehren, Bildung und Erziehung. Sie untersucht unter anderem Lernmotivation, Leistungsentwicklung, Unterrichtsgestaltung, Förderung und schulische Diagnostik.
Gesundheitspsychologie
Die Gesundheitspsychologie untersucht, wie Verhalten, soziale Bedingungen und psychische Prozesse Gesundheit und Krankheit beeinflussen. Dazu gehören Prävention, Gesundheitsverhalten, Stressbewältigung und der Umgang mit chronischen Erkrankungen.
Rechtspsychologie und Forensische Psychologie
Die Rechtspsychologie wendet psychologische Theorien, Methoden und Erkenntnisse auf rechtliche Fragestellungen an. Die Forensische Psychologie bildet einen besonders bekannten Teil dieses Bereichs und beschäftigt sich vor allem mit psychologischen Fragen im Strafrecht, StrafvollzugRechtlich geregelte Inhaftierung und Resozialisierung von Straftätern zur Strafvollstreckung und Vorbereitung auf ein straffreies Leben in Freiheit. und Maßregelvollzug.
Rechts- und Forensische Psychologie sind nicht an jeder Hochschule reguläre Bestandteile des Bachelorstudiums. Häufig werden sie als Wahlpflichtbereich, Spezialisierung im Master oder berufsbegleitende Weiterbildung angeboten.
Der populäre Begriff KriminalpsychologieKriminalpsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit dem Erleben und Verhalten von Tätern, Opfern, Zeugen und Ermittlern im Zusammenhang mit Straftaten beschäftigt. Sie liefert wissenschaftliche Erkenntnisse für Strafverfolgung, Prävention und Resozialisierung und ist von der Kriminologie zu unterscheiden. wird uneinheitlich verwendet. Wissenschaftlich und beruflich sind die Bezeichnungen Rechtspsychologie und Forensische Psychologie meist präziser.
Empirische Forschungsmethoden
Forschungsmethoden bilden keinen nebensächlichen Zusatz, sondern einen Kern des Psychologiestudiums. Studierende lernen, Forschungsfragen zu entwickeln, Hypothesen abzuleiten, Experimente und Befragungen zu planen, Stichproben auszuwählen und Ergebnisse wissenschaftlich zu interpretieren.
Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit Forschungsdesigns. Ein statistischer Zusammenhang beweist beispielsweise nicht automatisch, dass eine Variable die andere verursacht. Ebenso können kleine oder verzerrte Stichproben, ungeeignete Messinstrumente und nicht berücksichtigte Einflussfaktoren zu irreführenden Ergebnissen führen.
Statistik: Für viele die größte Überraschung
Viele Studieninteressierte unterschätzen, wie methoden- und statistiklastig ein Psychologiestudium ist. Statistik wird nicht nur in einzelnen Pflichtveranstaltungen behandelt. Sie begleitet das gesamte Studium, weil psychologische Theorien regelmäßig anhand empirischer Daten geprüft werden.
Typische Studieninhalte sind beispielsweise:
- deskriptive Statistik,
- Wahrscheinlichkeitsrechnung,
- Signifikanztests und Konfidenzintervalle,
- KorrelationEin statistischer Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen. und Regression,
- Varianzanalysen,
- Versuchsplanung,
- Testtheorie,
- Skalenentwicklung,
- multivariate Analyseverfahren,
- statistische Auswertungssoftware.
Psychologinnen und Psychologen sind deshalb in interdisziplinären Forschungsprojekten häufig besonders methodenkompetent. Sie sind darin ausgebildet, Konstrukte messbar zu machen, geeignete Untersuchungsdesigns zu entwickeln und empirische Ergebnisse differenziert zu beurteilen.
Man muss kein Mathematikgenie sein
Ein Psychologiestudium verlangt keine außergewöhnliche mathematische Begabung. Notwendig sind jedoch die Bereitschaft, sich kontinuierlich mit Statistik auseinanderzusetzen, logisch zu denken und quantitative Verfahren praktisch anzuwenden. Wer Statistik grundsätzlich vermeiden möchte, wird im Studium erhebliche Schwierigkeiten bekommen.
Wo kann man Psychologie studieren?
Psychologie wird vor allem an Universitäten angeboten. Daneben existieren psychologische und psychologienahe Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, privaten Hochschulen und Fernhochschulen. Die Angebote unterscheiden sich jedoch teilweise erheblich hinsichtlich ihrer Inhalte, ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung und der beruflichen Möglichkeiten, die sie eröffnen.
Universitäre Psychologiestudiengänge sind meist stark forschungsorientiert und vermitteln ein breites Spektrum psychologischer Grundlagen-, Methoden- und Anwendungsfächer. Hochschulen für angewandte Wissenschaften und private Anbieter setzen dagegen häufig stärker spezialisierte oder berufsbezogene Schwerpunkte, beispielsweise in Wirtschaftspsychologie, Gesundheitspsychologie oder Angewandter Psychologie.
Vor einer Bewerbung solltest Du insbesondere folgende Punkte prüfen:
- Handelt es sich um einen allgemeinen Psychologiestudiengang oder um ein spezialisiertes Fach wie Wirtschaftspsychologie?
- Welcher akademische Abschluss wird vergeben?
- Welche psychologischen Grundlagen-, Methoden- und Anwendungsfächer sind enthalten?
- Wie umfangreich sind Statistik, Diagnostik und empirische Forschungsmethoden?
- Für welche Masterstudiengänge qualifiziert der Bachelorabschluss?
- Ist der Studiengang approbationskonform, wenn eine psychotherapeutische Tätigkeit angestrebt wird?
- Welche fachlichen Schwerpunkte, Praktika und Forschungserfahrungen werden angeboten?
- Welche Zulassungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren gelten?
- Ist der Studiengang akkreditiert?
- Welche Studiengebühren und weiteren Kosten entstehen?
Nicht jeder Studiengang mit „Psychologie“ führt zum gleichen Berufsziel
Studiengänge wie Wirtschaftspsychologie, Gesundheitspsychologie, Ingenieurpsychologie oder Angewandte Psychologie können interessante Berufsperspektiven eröffnen. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch ein allgemeines universitäres Psychologiestudium und eröffnen insbesondere nicht zwangsläufig den Weg in die psychotherapeutische Ausbildung.
Entscheidend ist daher nicht allein, ob das Wort „Psychologie“ im Titel des Studiengangs vorkommt. Maßgeblich sind die tatsächlich vermittelten Inhalte, der Abschluss, die Zugangsmöglichkeiten zu weiterführenden Masterstudiengängen und – bei einem Berufsziel in der Psychotherapie – die Approbationskonformität.
Wie ist das Psychologiestudium aufgebaut?
Das Psychologiestudium ist in der Regel konsekutiv aufgebaut. Auf einen Bachelorstudiengang folgt ein fachlich vertiefender Master. Der Bachelor vermittelt breite Grundlagen, während der Master eine stärkere Spezialisierung ermöglicht.
Ein klassisches Staatsexamen wie in Medizin, Rechtswissenschaft oder Pharmazie gibt es im Studienfach Psychologie nicht. Die regulären akademischen Abschlüsse sind Bachelor und Master. Wer den psychotherapeutischen Ausbildungsweg wählt, legt nach dem entsprechenden Master zusätzlich eine staatliche psychotherapeutische Prüfung ab.
Bachelorstudium
Ein Bachelorstudium umfasst häufig sechs Semester und schließt in der Regel mit dem Bachelor of Science ab. Neben Grundlagen- und Anwendungsfächern gehören Statistik, Diagnostik, Forschungsmethoden, Praktika und eine Bachelorarbeit zum Studium.
Bereits im Bachelor sollte genau darauf geachtet werden, welches Profil der Studiengang besitzt. Ein allgemeiner universitärer Psychologiestudiengang unterscheidet sich beispielsweise von Wirtschaftspsychologie, Gesundheitspsychologie oder psychologienahen Studienangeboten.
Masterstudium
Der Master umfasst häufig vier Semester und ermöglicht eine fachliche Vertiefung. Hochschulen können unterschiedliche Schwerpunkte setzen, beispielsweise:
- Klinische Psychologie und Psychotherapie,
- Arbeits- und Organisationspsychologie,
- Rechtspsychologie,
- Neuropsychologie,
- Pädagogische Psychologie,
- Gesundheitspsychologie,
- Forschungsmethoden und EvaluationEvaluation bezeichnet die systematische Untersuchung von Maßnahmen, Programmen oder Interventionen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Effizienz und unbeabsichtigten Nebenfolgen..
Für viele psychologische Berufsfelder wird faktisch ein Masterabschluss erwartet. Wer bereits ein bestimmtes Berufsziel verfolgt, sollte daher nicht nur den Bachelor, sondern auch die Zugangsvoraussetzungen möglicher Masterstudiengänge prüfen.
Wie schwierig ist die Zulassung zum Psychologiestudium?
Psychologie gehört seit vielen Jahren zu den besonders stark nachgefragten Studienfächern. An staatlichen Universitäten ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber häufig erheblich größer als die Zahl der verfügbaren Studienplätze.
Es gibt jedoch nicht den einen bundesweit geltenden NC. Die Zulassungsgrenzen entstehen jeweils aus der Zahl der Studienplätze, den Bewerbungen und dem Auswahlverfahren der Hochschule. Frühere Grenzwerte können daher nur eine Orientierung bieten.
An vielen Standorten benötigen Bewerberinnen und Bewerber weiterhin ein sehr gutes Abitur. Eine Abiturnote außerhalb des Einserbereichs bedeutet jedoch nicht an jeder Hochschule automatisch, dass eine Zulassung ausgeschlossen ist. Auswahlverfahren und Gewichtungen unterscheiden sich.
Der BaPsy-DGPs-Studieneignungstest
Viele Hochschulen berücksichtigen inzwischen zusätzlich zur Abiturnote den Studieneignungstest BaPsy-DGPs. Der Test erfasst unter anderem schlussfolgerndes Denken, mathematische Kompetenzen sowie das Verständnis deutsch- und englischsprachiger psychologischer Texte.
Ein gutes Testergebnis kann die Zulassungschancen verbessern. Welche Bedeutung der Test im konkreten Auswahlverfahren besitzt, entscheidet jedoch die jeweilige Hochschule.
Frühere NC-WerteGrundlegende Vorstellungen darüber, was in einer Gesellschaft wünschenswert, gut oder erstrebenswert ist. sind keine Garantie
Ein NC von 1,2 aus einem früheren Semester bedeutet weder, dass diese Note künftig sicher ausreicht, noch dass eine Bewerbung mit einer schwächeren Note aussichtslos ist. Prüfe für jeden Studienort die aktuellen Auswahlkriterien, Fristen und die Gewichtung des Studieneignungstests.
Welche Berufsmöglichkeiten bietet ein Psychologiestudium?
Psychologie eröffnet ein breites Berufsspektrum. Welche Tätigkeiten zugänglich sind, hängt von Studienprofil, Abschluss, Praktika und zusätzlichen Qualifikationen ab.
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Im klinischen Bereich arbeiten Psychologinnen und Psychologen beispielsweise in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken, Rehabilitationskliniken, Beratungsstellen, Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der Gesundheitsförderung.
Eigenständige psychotherapeutische Behandlung setzt die entsprechende Approbation und – je nach Tätigkeitsbereich – eine fachpsychotherapeutische Weiterbildung voraus.
Arbeitswelt, Personal und OrganisationOrganisationen sind zielgerichtete soziale Gebilde mit formalen Strukturen, Mitgliedschaftsregeln und Entscheidungsprozessen.
Psychologinnen und Psychologen arbeiten in Personalauswahl, Personalentwicklung, Unternehmensberatung, Organisationsentwicklung, betrieblichem Gesundheitsmanagement, Marktforschung oder Nutzerforschung.
Bildung und Beratung
Mögliche Arbeitsfelder finden sich in der Schulpsychologie, Berufsberatung, Studienberatung, Erziehungsberatung, Weiterbildung und Entwicklung von Lernangeboten.
Forschung und Hochschule
Universitäten und außeruniversitäre Forschungsinstitute beschäftigen Psychologinnen und Psychologen in Forschungsprojekten, Lehre und Methodenberatung. Aufgrund ihrer fundierten Ausbildung in Statistik und Forschungsdesign sind sie auch in interdisziplinären Teams gefragt.
Rechtspsychologie und Forensische Psychologie
Rechtspsychologinnen und Rechtspsychologen arbeiten an der Schnittstelle von Psychologie und RechtRecht bezeichnet ein formalisiertes System verbindlicher Normen, das gesellschaftliches Handeln regelt, Konflikte entscheidet und durch staatliche Institutionen durchsetzbar ist.. Tätigkeitsmöglichkeiten bestehen beispielsweise bei Gerichten, im Straf- und Maßregelvollzug, in forensischen Kliniken, bei Justizbehörden, in Forschungseinrichtungen und in spezialisierten Begutachtungsstellen.
Psychologische Gutachten vor Gericht
Psychologische Sachverständige unterstützen Gerichte bei Fragestellungen, für deren Beurteilung besondere psychologische Fachkenntnisse erforderlich sind. Sie entscheiden den Rechtsfall nicht selbst, sondern erheben Befunde und beantworten einen vom GerichtEin Gericht ist eine staatliche Institution, die Rechtsstreitigkeiten entscheidet und über Schuld oder Unschuld in Strafverfahren urteilt. Unabhängige Gerichte sind ein zentrales Merkmal des Rechtsstaats. formulierten Gutachtenauftrag.
Mögliche Tätigkeitsfelder sind:
- Aussagepsychologische Begutachtung: Untersuchung der Glaubhaftigkeit konkreter Aussagen, insbesondere wenn Aussage gegen Aussage steht.
- Familienrechtspsychologische Begutachtung: Fragen zu Sorge, Umgang, Kindeswohl und Erziehungsfähigkeit.
- Prognostische Begutachtung: Einschätzung zukünftiger Risiken, etwa im Zusammenhang mit Lockerungen oder Entlassungen.
- Diagnostische Fragestellungen: Erfassung von Persönlichkeit, Leistungsfähigkeit oder psychischen Auffälligkeiten.
Die Begutachtung der strafrechtlichen Schuldfähigkeit ist hingegen regelmäßig eine psychiatrische beziehungsweise ärztliche Fragestellung. Psychologinnen und Psychologen können an entsprechenden Untersuchungen mitwirken und diagnostische Beiträge leisten, ersetzen jedoch nicht automatisch die fachpsychiatrische Begutachtung.
Gutachten sind keine Persönlichkeitsdeutungen
Forensische Gutachten müssen transparent, methodisch nachvollziehbar und auf die gerichtliche Fragestellung begrenzt sein. Persönlicher Eindruck oder vermeintliche Menschenkenntnis reichen nicht aus. Erforderlich sind diagnostische Kompetenz, rechtspsychologisches Fachwissen und häufig zusätzliche Weiterbildung sowie praktische Erfahrung.
Psychologie im Strafvollzug und Maßregelvollzug
Psychologinnen und Psychologen arbeiten sowohl im Strafvollzug als auch im Maßregelvollzug. Die Einrichtungen verfolgen jedoch unterschiedliche rechtliche und therapeutische Aufgaben.
Im Strafvollzug können Psychologinnen und Psychologen unter anderem an Diagnostik, Behandlungsplanung, Krisenintervention, GewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen.- und Sexualstraftäterbehandlung, Suchtarbeit, Lockerungsvorbereitung und Rückfallprävention beteiligt sein.
Im Maßregelvollzug werden Personen untergebracht, deren Straftaten in einem Zusammenhang mit bestimmten psychischen Störungen oder Abhängigkeitserkrankungen stehen und bei denen die gesetzlichen Voraussetzungen einer Maßregel erfüllt sind. Psychologinnen und Psychologen wirken dort beispielsweise mit an:
- psychologischer Diagnostik,
- Therapie und Behandlungsplanung,
- Risikoeinschätzungen,
- Verlaufsbeobachtung,
- Vorbereitung und Beurteilung von Lockerungen,
- Rückfallprävention,
- Stellungnahmen und Prognosen.
Die Arbeit verlangt neben klinischem und diagnostischem Wissen ein Verständnis rechtlicher Rahmenbedingungen, institutioneller Abläufe und kriminologischer Risikofaktoren.
Kann man mit einem Psychologiestudium Profiler werden?
Viele Studieninteressierte verbinden Psychologie mit dem aus Film und Fernsehen bekannten Beruf des Profilers. Serien wie Criminal Minds oder Mindhunter vermitteln den Eindruck, besonders geschulte Psychologinnen und Psychologen könnten aus Tatortspuren Persönlichkeit, Biografie und nächsten Schritt einer unbekannten Täterperson ableiten.
In Deutschland gibt es jedoch keinen regulären Studienabschluss und kaum Stellen mit der offiziellen Berufsbezeichnung „Profiler“. Die entsprechende polizeiliche Tätigkeit wird als Operative FallanalyseDie Operative Fallanalyse (OFA) ist ein kriminalistisches Analyseverfahren zur Unterstützung polizeilicher Ermittlungen bei schweren Gewaltverbrechen. Ziel ist es, aus Tatortspuren, Tatverhalten und weiteren Ermittlungsinformationen begründete Hypothesen über Täter, Tatablauf und mögliche Ermittlungsansätze zu entwickeln. bezeichnet. Sie wird von besonders fortgebildeten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in spezialisierten Dienststellen und interdisziplinären Teams durchgeführt.
Ein Psychologiestudium kann hilfreiche Kenntnisse über Verhalten, Diagnostik, Statistik, Wahrnehmung und Entscheidungsprozesse vermitteln. Es ist jedoch weder der automatische noch der typische direkte Zugang zur Operativen Fallanalyse.
Wer sich für Täterverhalten, Begutachtung und psychologische Fragestellungen im StrafrechtDas Strafrecht umfasst die Gesamtheit der Gesetze, die bestimmen, welche Handlungen strafbar sind und welche Sanktionen dafür vorgesehen sind. interessiert, findet in Rechtspsychologie, Forensischer Psychologie, Aussagepsychologie, Strafvollzug und Maßregelvollzug realistischere Berufsfelder.
Ausführliche Informationen findest Du im SozTheo-Beitrag Wie wird man Profiler? Ausbildung, Voraussetzungen und Realität der Operativen Fallanalyse.
Welche Schnittstellen bestehen zwischen Psychologie und Kriminologie?
Psychologie und Kriminologie überschneiden sich in zahlreichen Themenfeldern. Beide Disziplinen beschäftigen sich mit Verhalten, Normverletzungen, Gewalt, ViktimisierungDer Prozess der Opferwerdung durch eine Straftat oder ein anderes schädigendes Ereignis. und sozialer Reaktion. Sie stellen jedoch unterschiedliche Fragen und verwenden unterschiedliche Erklärungsebenen.
Psychologische Ansätze untersuchen beispielsweise:
- kognitive und emotionale Prozesse,
- Persönlichkeitsmerkmale,
- Lernprozesse,
- psychische Störungen,
- Aggression und Impulskontrolle,
- Gruppeneinflüsse,
- Entscheidungsverhalten,
- Traumatisierung und Opfererleben.
Kriminologie betrachtet darüber hinaus gesellschaftliche Strukturen, soziale Ungleichheit, Institutionen, Strafrecht, Polizei, Strafvollzug, KriminalpolitikStrategien und Maßnahmen staatlicher Institutionen zur Aufrechterhaltung sozialer Ordnung und zur Reaktion auf regelwidriges Verhalten. und Prozesse gesellschaftlicher Zuschreibung.
Psychische Störungen und Kriminalität dürfen dabei nicht gleichgesetzt werden. Die große Mehrheit psychisch erkrankter Menschen begeht keine Gewalttaten. Eine pauschale Verbindung von psychischer Erkrankung und Gefährlichkeit verstärkt StigmatisierungZuschreibung und gesellschaftliche Fixierung negativer Merkmale an Einzelpersonen oder Gruppen, die zu sozialer Abwertung und Ausschluss führen. und widerspricht einer differenzierten wissenschaftlichen Betrachtung.
ZuschreibungEin sozialer Prozess, bei dem bestimmten Personen oder Gruppen bestimmte Eigenschaften oder Merkmale zugeschrieben werden – oft unabhängig von deren tatsächlichem Verhalten., Diagnose und Stigma
Eine besonders interessante Verbindung zur Soziologie und KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. liegt in der Geschichte psychologischer und psychiatrischer Klassifikationen. Diagnosen können notwendige Voraussetzungen für Behandlung, Forschung und soziale Unterstützung sein. Gleichzeitig sind sie soziale Kategorien, die Wahrnehmung, Selbstbild und den Umgang anderer Menschen beeinflussen.
Aus einer interaktionistischen und labelingtheoretischen Perspektive stellt sich deshalb die Frage, wie diagnostische Bezeichnungen entstehen, welche institutionellen Folgen sie haben und unter welchen Bedingungen sie zu Stigmatisierung beitragen. Die Kritik an Zuschreibungen bedeutet nicht, psychische Erkrankungen oder professionelle Diagnostik grundsätzlich infrage zu stellen. Sie macht vielmehr auf die gesellschaftlichen Folgen von Kategorien und Etikettierungen aufmerksam.
Psychologie oder Soziologie?
Die Trennung ist nicht absolut. Die Sozialpsychologie liegt unmittelbar an der Schnittstelle beider Disziplinen. Auch Themen wie IdentitätIdentität bezeichnet das Selbstverständnis von Individuen in Bezug auf sich selbst und ihre soziale Umwelt., Vorurteile, Devianz, Arbeit, Gesundheit oder Bildung werden von beiden Fächern untersucht.
Psychologie könnte besser passen, wenn Dich individuelle Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensprozesse besonders interessieren und Du gern experimentell oder diagnostisch arbeitest.
Soziologie könnte besser passen, wenn Du gesellschaftliche Strukturen, soziale Ungleichheit, Institutionen, Normen und kollektive Entwicklungen untersuchen möchtest.
Psychologie oder Kriminologie?
Kriminologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen., soziale Kontrolle, Viktimisierung und gesellschaftliche Reaktionen auf Normverletzungen untersucht. Sie greift dabei unter anderem auf Psychologie, Soziologie, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und weitere Disziplinen zurück.
Wer sich ausschließlich für Täterpsychologie interessiert, sollte beachten, dass ein großer Teil der Kriminologie nicht auf individuelle Tätermerkmale ausgerichtet ist. Kriminologische Forschung beschäftigt sich ebenso mit Polizei, Strafrecht, Gefängnissen, KriminalstatistikSammlung und Auswertung von Daten über polizeilich registrierte Straftaten und Tatverdächtige., Prävention, Medien, Macht und sozialer Ungleichheit.
Ein Psychologiestudium bietet eine breite wissenschaftliche Grundausbildung und kann später durch rechtspsychologische oder forensische Schwerpunkte ergänzt werden. Ein kriminologischer Studiengang setzt dagegen häufig bereits einen ersten Hochschulabschluss voraus und betrachtet Kriminalität aus mehreren disziplinären Perspektiven.
Persönliche Einordnung: Psychologie als Ergänzungsfach
Meine eigene Perspektive auf das Psychologiestudium ist die eines Soziologen und Kriminologen, der Psychologie als Nebenfach studiert und anschließend in zahlreichen interdisziplinären Forschungszusammenhängen mit Psychologinnen und Psychologen zusammengearbeitet hat. Sie ersetzt daher nicht die Erfahrung eines vollständig absolvierten Psychologiestudiums.
Gerade diese Zusammenarbeit hat jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Psychologinnen und Psychologen gehörten in interdisziplinären Teams regelmäßig zu den methodisch besonders versierten Beteiligten. Ihre Ausbildung verbindet theoretisches Fachwissen mit Statistik, Diagnostik, Untersuchungsplanung und einer ausgeprägten Sensibilität für die Qualität empirischer Aussagen.
Für die Kriminologie ist diese Perspektive unverzichtbar. Psychologie hilft zu verstehen, wie Menschen wahrnehmen, lernen, entscheiden und auf soziale Situationen reagieren. Sie schützt zugleich vor vorschnellen Erklärungen, die komplexes Verhalten auf vermeintlich eindeutige Persönlichkeitsmerkmale oder psychische Störungen reduzieren.
Häufige Fragen zum Psychologiestudium
Ist Psychologie sehr mathematiklastig?
Das Studium enthält deutlich mehr Statistik und Forschungsmethoden, als viele Studieninteressierte erwarten. Es handelt sich jedoch nicht um ein Mathematikstudium. Entscheidend sind kontinuierliches Lernen, logisches Verständnis und die Bereitschaft, statistische Verfahren praktisch anzuwenden.
Brauche ich ein Einser-Abitur?
An vielen staatlichen Universitäten liegen die Zulassungsgrenzen weiterhin im sehr guten Notenbereich. Es gibt jedoch keinen bundesweit einheitlichen NC. Hochschuleigene Auswahlverfahren und der BaPsy-DGPs können die Zulassungschancen beeinflussen.
Kann ich mit einem Psychologiestudium automatisch Psychotherapeut werden?
Nein. Bereits der Bachelor muss die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Danach folgen ein entsprechender Master, die staatliche psychotherapeutische Prüfung, die Approbation und die fachpsychotherapeutische Weiterbildung.
Kann ich Psychologie im Fernstudium studieren und später therapeutisch arbeiten?
Nicht jeder Fernstudiengang erfüllt die Voraussetzungen für den psychotherapeutischen Ausbildungsweg. Wer dieses Berufsziel verfolgt, muss die Approbationskonformität ausdrücklich vor der Einschreibung prüfen.
Dürfen Psychologinnen Medikamente verschreiben?
Nein. Medikamente werden von entsprechend qualifizierten Ärztinnen und Ärzten verordnet. Psychiaterinnen und Psychiater haben Medizin studiert und anschließend eine Facharztweiterbildung absolviert.
Ist Kriminalpsychologie ein eigenes Studienfach?
Es existieren einzelne spezialisierte Studienangebote, doch Kriminalpsychologie ist kein einheitlich geregeltes psychologisches Grundlagenfach. Wissenschaftlich etablierter sind Rechtspsychologie und Forensische Psychologie, die häufig erst im Master oder über Weiterbildungen vertieft werden.
Kann ich nach dem Studium als Gutachterin oder Gutachter arbeiten?
Grundsätzlich eröffnet ein Psychologiestudium den Zugang zu gutachterlichen Tätigkeiten. Verantwortliche forensische oder familienrechtspsychologische Begutachtung setzt jedoch fundierte Diagnostikkenntnisse, praktische Erfahrung und regelmäßig spezialisierte Weiterbildung voraus.
Ist Psychologie für Menschen mit eigenen psychischen Erkrankungen ungeeignet?
Nein. Eine psychische Erkrankung schließt das Studium nicht grundsätzlich aus. Das Studium ersetzt aber keine Behandlung, und klinische Inhalte können belastend sein. Entscheidend sind die individuelle Stabilität, geeignete Unterstützung und die Fähigkeit, persönliche Erfahrungen von wissenschaftlicher Arbeit zu trennen.
Fazit: Psychologie bedeutet, Verhalten wissenschaftlich zu untersuchen
Psychologie ist weit mehr als Psychotherapie, Menschenkenntnis oder die populäre Vorstellung vom Profiler. Das Fach untersucht menschliches Erleben und Verhalten mit wissenschaftlichen Methoden. Statistik, Diagnostik, Versuchsplanung und empirische Forschung gehören deshalb ebenso zum Studium wie Persönlichkeit, Sozialverhalten, Entwicklung und psychische Gesundheit.
Das Studium passt besonders zu Menschen, die sich nicht mit intuitiv plausiblen Erklärungen zufriedengeben, sondern wissen möchten, wie psychologische Aussagen überprüft werden können. Interesse an Menschen ist wichtig – ergänzt werden muss es durch methodische Sorgfalt, analytisches Denken und die Bereitschaft, intensiv mit wissenschaftlichen Daten zu arbeiten.
Wer später psychotherapeutisch tätig werden möchte, muss den Ausbildungsweg bereits bei der Wahl des Bachelorstudiengangs berücksichtigen. Wer sich für Kriminalität und Recht interessiert, findet in Rechtspsychologie, Forensischer Psychologie, Begutachtung, Strafvollzug und Maßregelvollzug anspruchsvolle Berufsfelder. Die filmische Vorstellung vom Profiler sollte dabei jedoch nicht mit der beruflichen Realität verwechselt werden.
Psychologie bedeutet nicht, andere Menschen intuitiv zu durchschauen. Sie bedeutet, menschliches Erleben und Verhalten systematisch, kritisch und methodisch kontrolliert zu untersuchen.



