Bernard E. Harcourt
Personenprofil
- Name: Bernard E. Harcourt
- Geburtsjahr: 1963
- Land: Vereinigte Staaten / Frankreich
- Disziplin(en): Kriminologie, Politische Theorie, Rechtswissenschaft
- Themen: Kriminalisierung, Kriminalpolitik, Soziale Kontrolle, Soziale Ungleichheit, Überwachung, Staat, Macht, Polizeigewalt, Polizeikultur, Diskriminierung, Institutioneller Rassismus, Exklusion, Vulnerabilität, Moderne, Abweichendes Verhalten (Devianz)
Weitere Informationen
Bernard E. Harcourt ist ein führender Rechts- und Sozialtheoretiker, Professor an der Columbia Law School und Direktor des Columbia Center for Contemporary Critical Thought. Ausgebildet in Politischer Theorie, Philosophie und Rechtswissenschaft, verbindet Harcourt kritische Kriminologie, Gouvernementalitätsforschung, digitale Gesellschaftsanalyse und Polizeitheorie.
Er gilt als einer der wichtigsten Kritiker algorithmischer Risikobewertung, prädiktiver Polizeisysteme und neoliberaler Sicherheitslogiken. Neben seiner akademischen Arbeit engagiert sich Harcourt seit vielen Jahren in Bürgerrechtsorganisationen und als Anwalt gegen Masseninhaftierung und Todesstrafe in den USA.
Harcourt entwickelt eine umfassende Kritik an der Ökonomisierung, Technokratisierung und Rationalisierung staatlicher Kontrolle. In seinem Schlüsselwerk Against Prediction argumentiert er, dass prädiktive Algorithmen und risikobasierte Polizeimodelle nicht neutral sind, sondern soziale Ungleichheit verstärken und bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch überwachen.
Er zeigt, dass „actuarial justice“ und algorithmische Governance auf einer Logik beruhen, die Effizienz über Grundrechte stellt und Kriminalität als statistische Wahrscheinlichkeitsstruktur konstruiert.
In The Illusion of Free Markets analysiert Harcourt die paradoxen Verflechtungen von Marktliberalismus, Strafe und Überwachung. Seine neueren Arbeiten befassen sich mit digitalen Kontrollregimen, Big Data, dem „Counterrevolution“-Begriff im Kontext autoritärer Sicherheitsstaaten sowie der politischen Ökonomie zeitgenössischer Polizei- und Gefängnisapparate.
Harcourt gilt als zentrale Stimme einer kritischen Kriminologie, die digitale Technologie, Staatlichkeit, Ökonomie und Macht zusammendenkt.
Schlüsselwerke
- Against Prediction: Profiling, Policing, and Punishing in an Actuarial Age (2007)
- The Illusion of Free Markets: Punishment and the Myth of Natural Order (2011)
- Exposed: Desire and Disobedience in the Digital Age (2015)
- Critique and Praxis (2020)
- The Counterrevolution: How Our Government Went to War Against Its Own Citizens (2018)
- Zahlreiche Beiträge zu Algorithmischer Kontrolle, Neoliberalismus, Polizeitheorie, Gouvernementalität