Travis Warner Hirschi

Travis Hirschi
Travis Hirschi

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Travis Hirschi zählt zu den einflussreichsten Kriminologen des 20. Jahrhunderts und ist einer der zentralen Vertreter der Kontrolltheorien. Geboren in Rockville, Utah, lehrte er u. a. an der University of Washington, der University of Arizona und der University of California, Berkeley. International bekannt wurde er durch seine Arbeiten zu Sozialkontrolle, Bindung an gesellschaftliche Institutionen und Selbstkontrolle als entscheidendem Faktor kriminellen Verhaltens. Hirschi war ein empirisch orientierter Forscher, der sich konsequent von komplexen, wenig überprüfbaren Erklärungsmodellen abwandte und stattdessen einfache, prüfbare Hypothesen forderte.

Theoretische Bedeutung:

Hirschis zentrale Leistung besteht in der Entwicklung zweier theoretischer Hauptströmungen der modernen Kriminologie:

  1. Social Bond Theory (1969)

    In Causes of Delinquency argumentiert Hirschi, dass Delinquenz entsteht, wenn die Bindungen an die Gesellschaft geschwächt sind. Diese Bindungen bestehen aus:

    – Attachment (emotionale Bindung),

    – Commitment (Verpflichtung gegenüber Lebenszielen),

    – Involvement (Einbindung in konventionelle Aktivitäten),

    – Belief (Glaube an gesellschaftliche Normen).

    Die Theorie stellte einen Paradigmenwechsel dar, weil sie Devianz nicht über Motivation erklärt, sondern über fehlende soziale Einbindung.

  2. Self-Control Theory (mit Michael Gottfredson, 1990)

    Hirschi argumentiert, dass geringe Selbstkontrolle – geprägt durch frühkindliche Sozialisation – der wichtigste Prädiktor für Delinquenz sei. Dieser Ansatz gilt als eine der einflussreichsten Ein-Faktor-Theorien der Kriminologie und hat eine enorme empirische Resonanz erfahren, aber auch vielfältige Kritik ausgelöst (z. B. hinsichtlich Determinismus, Vernachlässigung sozialer Struktur und kultureller Kontexte).

Hirschis Arbeiten bleiben grundlegende Referenzpunkte für Forschung zu Devianz, Jugendkriminalität, Sozialisation, Familie, Schule und Kriminalprävention.

Schlüsselwerke

  • Causes of Delinquency (1969)
  • A General Theory of Crime (mit Michael Gottfredson, 1990)
  • Zahlreiche Aufsätze zu Sozialkontrolle, Delinquenz, Jugend und empirischer Kriminologie