Frankenstein (1931)

Der exzentrische Wissenschaftler Dr. Henry Frankenstein erschafft aus Leichenteilen einen künstlichen Menschen. Nachdem das Geschöpf zum Leben erwacht, wird es aufgrund seines Äußeren von der Gesellschaft gefürchtet und verfolgt. Die Ausgrenzung und Gewalt, die ihm entgegenschlagen, führen schließlich zu einer tragischen Eskalation.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Frankenstein
  • Deutscher Titel: Frankenstein
  • Erscheinungsjahr: 1931
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: James Whale
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 70 Minuten
  • Schwerpunkte: Jugend, Devianz und Subkultur

Kriminologische Relevanz

Frankenstein zählt zu den bedeutendsten Filmen der Filmgeschichte und eröffnet zugleich eine überraschend aktuelle Perspektive auf zentrale Fragen der Kriminologie und Devianzsoziologie. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, weshalb das Geschöpf „böse“ ist, sondern wie gesellschaftliche Zuschreibungen, Ausgrenzung und Angst dazu beitragen, dass aus einem zunächst orientierungslosen Wesen ein Gewalttäter wird.

Aus kriminologischer Sicht eignet sich der Film insbesondere zur Diskussion biologischer Kriminalitätstheorien. Das künstlich erschaffene Wesen wird allein aufgrund seines Äußeren als gefährlich wahrgenommen und behandelt. Dadurch lassen sich historische Vorstellungen eines „geborenen Verbrechers“, wie sie etwa Cesare Lombroso vertrat, kritisch hinterfragen. Der Film macht deutlich, wie problematisch es ist, kriminelle Eigenschaften aus biologischen Merkmalen oder äußerlichen Erscheinungen abzuleiten.

Gleichzeitig bietet Frankenstein einen hervorragenden Zugang zu Labelling-Ansätzen und Stigmatisierungstheorien. Das Geschöpf wird zum Außenseiter, weil seine Umwelt ihm keine Möglichkeit eröffnet, als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt zu werden. Erst die wiederholte Zurückweisung und Verfolgung tragen wesentlich zur Eskalation der Gewalt bei. Der Film verdeutlicht damit eindrucksvoll, wie gesellschaftliche Reaktionen Devianz verstärken können und weshalb soziale Ausgrenzung selbst zu einem kriminogenen Faktor werden kann.

Darüber hinaus lässt sich Frankenstein als zeitloses Sinnbild gesellschaftlicher Ausgrenzung lesen. Das Monster steht weniger für eine konkrete Person als für den „Anderen“ – für jene Menschen, die aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Lebensweise oder anderer zugeschriebener Merkmale als fremd, gefährlich oder minderwertig wahrgenommen werden. In diesem Sinne verweist der Film auf den sozialen Prozess des Othering: Nicht das Wesen selbst macht das Monster aus, sondern die gesellschaftliche Zuschreibung. Gerade dadurch bleibt Frankenstein weit über seinen Entstehungskontext hinaus aktuell und eröffnet Anknüpfungspunkte zur Diskussion von Stigmatisierung, Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung gegenüber unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser