Lern- und subkulturtheoretische Kriminalitätstheorien
KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. wird – ebenso wie normkonformes Verhalten – durch soziale Interaktion erlernt. Menschen übernehmen dabei nicht nur Techniken des Normbruchs, sondern auch Einstellungen, Motive und Rechtfertigungen.
Lern- und subkulturtheoretische KriminalitätstheorienWissenschaftliche Ansätze, die versuchen, Ursachen und Bedingungen für kriminelles Verhalten zu erklären. erklären Kriminalität als Ergebnis sozialer Lernprozesse. Abweichendes Verhalten ist demnach kein angeborenes Merkmal, sondern wird – ebenso wie normenkonformes Verhalten – in sozialen Beziehungen, Gruppen und Milieus erlernt. Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass Menschen kriminelle Handlungen durch Kommunikation, Nachahmung, Erfahrung und die Übernahme spezifischer Werte, Techniken und Rechtfertigungen erwerben.
Innerhalb dieses Theorieclusters lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte erkennen: Einige Ansätze erklären Kriminalität als Imitation und LernenLernen ist ein Prozess, durch den Individuen durch Erfahrung, Beobachtung oder Instruktion dauerhaftes Wissen, Fähigkeiten oder Verhaltensweisen erwerben oder verändern. am sozialen Umfeld (Sutherland, Akers), andere rücken die Bedeutung deviant geprägter Gruppen und Subkulturen in den Mittelpunkt (Cohen, Cloward & Ohlin, Miller, Yablonski). Ergänzend zeigen Sykes und Matza mit ihrer Neutralisierungsthese, dass auch Rechtfertigungsstrategien für Normbrüche sozial erlernt und eingeübt werden.
Zu den zentralen Vertretern zählen Edwin H. Sutherland mit der Theorie der differentiellen Assoziationen, Ronald Akers mit der sozialen Lerntheorie sowie verschiedene SubkulturtheorienSubkulturtheorien sind soziologische und kriminologische Ansätze, die abweichendes Verhalten und Kriminalität als Ausdruck spezifischer Werte, Normen und Lebensstile innerhalb sozialer Gruppen interpretieren, die sich von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen., insbesondere die Ansätze von Albert K. Cohen und Cloward & Ohlin. Ergänzend zeigen Sykes und Matza mit ihrer Neutralisierungsthese, wie Täter Rechtfertigungsstrategien erlernen, um Normbrüche moralisch zu legitimieren.
Kontext
Historisch stehen die Lern- und Subkulturtheorien an der Schnittstelle zwischen der Chicago School, sozialpsychologischen Überlegungen zu Gruppenprozessen und der lernpsychologischen Forschung. Den eigentlichen Ausgangspunkt moderner Lerntheorien bildet jedoch Edwin Sutherlands Theorie der differentiellen Assoziationen aus den 1930er Jahren.
Kriminelles Verhalten wird – ebenso wie normenkonformes Verhalten – in sozialen Beziehungen erlernt. Erlernt werden dabei nicht nur Techniken und Fertigkeiten, sondern auch Motive, Einstellungen und Rechtfertigungsstrategien, die Normbrüche begünstigen oder legitimieren.
Edwin Sutherlands Theorie der differentiellen Assoziationen ist stark von den sozialökologischen Überlegungen der Chicago School beeinflusst und wandte sich entschieden gegen biologische Kriminalitätserklärungen (zum Beispiel die in 1930er Jahren äußerst populäre anthropologische (anthropogenetische) Kriminalitätstheorie von Cesare Lombroso). Sutherlands zentrale These lautet, dass abweichendes Verhalten dann erlernt wird, wenn in den sozialen Beziehungen eines Individuums Einstellungen überwiegen, die Gesetzesverletzungen begünstigen. Damit liefert Sutherland gleichsam den fehlenden Mechanismus zu Theorien sozialer Desorganisation: Nicht der Raum selbst erzeugt Kriminalität, sondern die in ihm vermittelten Lernprozesse.
Sutherlands Ansatz wurde in der Folge weiterentwickelt und modifiziert. Besonders wichtig ist hier Ronald Akers’ Theorie des sozialen Lernens, die Sutherlands soziologische Perspektive mit lernpsychologischen Konzepten wie operanter Konditionierung, Verstärkung, Beobachtungslernen und Modelllernen verbindet. Kriminalität wird damit nicht nur als Übernahme devianter Definitionen verstanden, sondern auch als Verhalten, das durch Belohnung, Anerkennung und wiederholte Verstärkung stabilisiert wird.
Zu diesem Theoriecluster zählen in der Regel auch die Subkulturtheorien, da sie Kriminalität ebenfalls als Ergebnis gruppenbezogener Lern- und Sozialisationsprozesse begreifen. Bereits Thrasher und Whyte machten darauf aufmerksam, dass in instabilen Stadtteilen nicht bloß Desorganisation herrscht, sondern häufig relativ stabile soziale Milieus mit eigenen Normen und Loyalitäten entstehen. In der KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. gilt jedoch vor allem Albert K. Cohen als zentraler Ausgangspunkt der eigentlichen Subkulturtheorie: Deviante Jugendgruppen entwickeln demnach eigene WerteGrundlegende Vorstellungen darüber, was in einer Gesellschaft wünschenswert, gut oder erstrebenswert ist. und Statusordnungen als Reaktion auf erfahrene Zurückweisung und Statusfrustration.
Erweitert wurde diese Perspektive durch Cloward & Ohlins Theorie der differentiellen Gelegenheiten, die zeigt, dass auch illegitime Handlungschancen ungleich verteilt sind. Nicht jede Form von DevianzVerhalten, das in einer Gesellschaft als unangemessen, abweichend oder regelverletzend gilt – unabhängig davon, ob es strafrechtlich relevant ist. ist überall gleichermaßen verfügbar; auch kriminelle Karrieren setzen soziale Gelegenheitsstrukturen voraus. Weitere subkulturtheoretische Modifikationen stammen etwa von Miller und Yablonski, die jeweils eigene Milieu- und Gruppendynamiken devianten Verhaltens herausarbeiten.
Einen Sonderfall stellt die Neutralisierungsthese von Sykes und Matza dar. Sie ist weniger eine eigenständige Kriminalitätstheorie als vielmehr ein Konzept zur Erklärung, wie Täter Normbrüche rechtfertigen. Da diese Neutralisierungstechniken jedoch an Sutherlands Begriff der Rationalisierungen anschließen, wird die These häufig dem Lerncluster zugeordnet: Auch Rechtfertigungen, Entschuldigungen und moralische Entlastungsstrategien müssen sozial erlernt und eingeübt werden.
Gemeinsam ist allen hier versammelten Ansätzen, dass sie Kriminalität als sozial vermitteltes Verhalten begreifen. Sie erklären Normbrüche nicht primär durch angeborene Defekte oder abstrakte Strukturen, sondern durch InteraktionInteraktion bezeichnet wechselseitige soziale Handlungen, bei denen sich Akteur:innen fortlaufend aufeinander beziehen und ihr Handeln an den erwarteten Reaktionen der anderen ausrichten., Gruppenzugehörigkeit, Nachahmung und die Übernahme abweichender Definitionen, Werte und Handlungsmuster.
Vergleich zentraler Lern- und Subkulturtheorien
| Theorie | Hauptvertreter | Zentrale Idee | Kriminologischer Fokus |
|---|---|---|---|
| Differentielle Assoziationen | Edwin H. Sutherland | Kriminalität wird in Interaktionen mit anderen gelernt, wenn Definitionen zugunsten von Gesetzesverletzungen überwiegen. | soziale Lernprozesse in Gruppen |
| Social Learning Theory | Ronald Akers | Kriminalität entsteht durch Lernprozesse wie Verstärkung, Nachahmung und Belohnung. | Verbindung von Soziologie und Lernpsychologie |
| Subkulturtheorie | Albert K. Cohen | Deviante Jugendgruppen entwickeln eigene Werte als Reaktion auf Statusfrustration. | Jugenddelinquenz und Gruppendynamik |
| Differentielle Gelegenheiten | Cloward & Ohlin | Auch illegitime Chancen sind sozial ungleich verteilt. | kriminelle Karrieren und Gelegenheitsstrukturen |
| Neutralisierungstechniken | Sykes & Matza | Täter lernen Rechtfertigungsstrategien, um Normbrüche moralisch zu legitimieren. | Rationalisierung von Devianz |
Anwendungsbezug: Welche Formen von Kriminalität erklären Lern- und Subkulturtheorien?
Lern- und Subkulturtheorien eignen sich besonders zur Erklärung von Kriminalitätsformen, bei denen soziale Gruppen, Milieus oder Vorbilder eine zentrale Rolle spielen. Da sie Kriminalität als erlerntes Verhalten begreifen, stehen insbesondere Situationen im Fokus, in denen NormenVerhaltensregeln und Erwartungen, die innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe als verbindlich gelten., Werte und Handlungsmuster innerhalb von Gruppen vermittelt werden.
- Jugendkriminalität: Viele Delikte Jugendlicher entstehen im Kontext von Peergruppen, Cliquen oder Subkulturen. Innerhalb solcher Gruppen werden Einstellungen zu GewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen., Eigentumsdelikten oder Regelüberschreitungen häufig gemeinsam entwickelt und stabilisiert.
- Banden- und Gruppenkriminalität: In delinquenten Gruppen werden kriminelle Techniken, Loyalitäten und Rollen erlernt. Neue Mitglieder übernehmen Verhalten, Normen und Statusregeln der GruppeEine Gruppe ist eine soziale Einheit von mindestens zwei bzw. drei Personen, die durch gemeinsame Interaktionen, Ziele oder Zugehörigkeitsgefühle verbunden sind..
- Alltagskriminalität und Kleindelinquenz: Delikte wie Vandalismus, Diebstahl oder Drogenkonsum können durch Lernprozesse im Freundeskreis oder sozialen Umfeld entstehen.
- Berufs- und Wirtschaftskriminalität: Auch in organisationalen Kontexten können abweichende Normen entstehen, in denen illegale Praktiken als akzeptabel oder notwendig erscheinen.
- RadikalisierungRadikalisierung bezeichnet den Prozess, durch den Individuen oder Gruppen extremistische Einstellungen oder Verhaltensweisen entwickeln, die gesellschaftliche Normen ablehnen und Gewalt legitimieren können. und Extremismus: Ideologien, Feindbilder und Gewaltlegitimationen werden häufig in sozialen Netzwerken, Gruppen oder digitalen Gemeinschaften vermittelt und verstärkt.
Lern- und Subkulturtheorien zeigen damit, dass Kriminalität häufig weniger durch individuelle Eigenschaften als durch soziale Interaktionen und Gruppendynamiken geprägt ist. Abweichendes Verhalten entsteht dort, wo kriminelle Definitionen, Techniken und Rechtfertigungen im sozialen Umfeld verfügbar sind und von Individuen übernommen werden.
Innerhalb dieses Theorieclusters lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte erkennen: Einige Ansätze erklären Kriminalität als Imitation und Lernen am sozialen Umfeld (Sutherland, Akers), andere rücken die Bedeutung deviant geprägter Gruppen und Subkulturen in den Mittelpunkt (Cohen, Cloward & Ohlin, Miller, Yablonski). Ergänzend zeigen Sykes und Matza mit ihrer Neutralisierungsthese, dass auch Rechtfertigungsstrategien für Normbrüche sozial erlernt und eingeübt werden.
Zu den zentralen Vertretern zählen Edwin H. Sutherland mit der Theorie der differentiellen Assoziationen, Ronald Akers mit der sozialen Lerntheorie sowie verschiedene Subkulturtheorien, insbesondere die Ansätze von Albert K. Cohen sowie Cloward & Ohlin. Ergänzend zeigen Sykes und Matza mit ihrer Neutralisierungsthese, wie Täter Rechtfertigungsstrategien erlernen, um Normbrüche moralisch zu legitimieren.
Kontext
Historisch stehen die Lern- und Subkulturtheorien an der Schnittstelle zwischen der Chicago School, sozialpsychologischen Überlegungen zu Gruppenprozessen und der lernpsychologischen Forschung. Den eigentlichen Ausgangspunkt moderner Lerntheorien bildet jedoch Edwin Sutherlands Theorie der differentiellen Assoziationen aus den 1930er Jahren.
Kriminelles Verhalten wird – ebenso wie normenkonformes Verhalten – in sozialen Beziehungen erlernt. Erlernt werden dabei nicht nur Techniken und Fertigkeiten, sondern auch Motive, Einstellungen und Rechtfertigungsstrategien, die Normbrüche begünstigen oder legitimieren.
Edwin Sutherlands Theorie der differentiellen Assoziationen ist stark von den sozialökologischen Überlegungen der Chicago School beeinflusst und wandte sich entschieden gegen biologische Kriminalitätserklärungen (zum Beispiel die in 1930er Jahren äußerst populäre anthropologische (anthropogenetische) Kriminalitätstheorie von Cesare Lombroso). Sutherlands zentrale These lautet, dass abweichendes Verhalten dann erlernt wird, wenn in den sozialen Beziehungen eines Individuums Einstellungen überwiegen, die Gesetzesverletzungen begünstigen. Damit liefert Sutherland gleichsam den fehlenden Mechanismus zu Theorien sozialer Desorganisation: Nicht der Raum selbst erzeugt Kriminalität, sondern die in ihm vermittelten Lernprozesse.
Sutherlands Ansatz wurde in der Folge weiterentwickelt und modifiziert. Besonders wichtig ist hier Ronald Akers’ Theorie des sozialen Lernens, die Sutherlands soziologische Perspektive mit lernpsychologischen Konzepten wie operanter Konditionierung, Verstärkung, Beobachtungslernen und Modelllernen verbindet. Kriminalität wird damit nicht nur als Übernahme devianter Definitionen verstanden, sondern auch als Verhalten, das durch Belohnung, Anerkennung und Wiederholung stabilisiert werden kann.
Zu diesem Theoriecluster zählen in der Regel auch die Subkulturtheorien, da sie Kriminalität ebenfalls als Ergebnis gruppenbezogener Lern- und Sozialisationsprozesse begreifen. Bereits Thrasher und Whyte machten darauf aufmerksam, dass in instabilen Stadtteilen nicht bloß Desorganisation herrscht, sondern häufig relativ stabile soziale Milieus mit eigenen Normen und Loyalitäten entstehen. In der Kriminologie gilt jedoch vor allem Albert K. Cohen als zentraler Ausgangspunkt der eigentlichen Subkulturtheorie: Deviante Jugendgruppen entwickeln demnach eigene Werte und Statusordnungen als Reaktion auf erfahrene Zurückweisung und Statusfrustration.
Erweitert wurde diese Perspektive durch Cloward & Ohlins Theorie der differentiellen Gelegenheiten, die zeigt, dass auch illegitime Handlungschancen ungleich verteilt sind. Nicht jede Form von Devianz ist überall gleichermaßen verfügbar; auch kriminelle Karrieren setzen soziale Gelegenheitsstrukturen voraus. Weitere subkulturtheoretische Modifikationen stammen etwa von Miller und Yablonski, die jeweils eigene MilieuSoziales Umfeld oder soziale Gruppe mit gemeinsamen Lebensstilen, Wertorientierungen und sozialen Praktiken.- und Gruppendynamiken devianten Verhaltens herausarbeiten.
Einen Sonderfall stellt die Neutralisierungsthese von Sykes und Matza dar. Sie ist weniger eine eigenständige Kriminalitätstheorie als vielmehr ein Konzept zur Erklärung, wie Täter Normbrüche rechtfertigen. Da diese Neutralisierungstechniken jedoch an Sutherlands Begriff der Rationalisierungen anschließen, wird die These häufig dem Lerncluster zugeordnet: Auch Rechtfertigungen, Entschuldigungen und moralische Entlastungsstrategien müssen sozial erlernt und eingeübt werden.
Gemeinsam ist allen hier versammelten Ansätzen, dass sie Kriminalität als sozial vermitteltes Verhalten begreifen. Sie erklären Normbrüche nicht primär durch angeborene Eigenschaften oder abstrakte soziale Strukturen, sondern durch Interaktion, Gruppenzugehörigkeit, Nachahmung und die Übernahme abweichender Definitionen, Werte und Handlungsmuster.
Vergleich zentraler Lern- und Subkulturtheorien
| Theorie | Hauptvertreter | Zentrale Idee | Kriminologischer Fokus |
|---|---|---|---|
| Differentielle Assoziationen | Edwin H. Sutherland | Kriminalität wird in Interaktionen mit anderen gelernt, wenn Definitionen zugunsten von Gesetzesverletzungen überwiegen. | soziale Lernprozesse in Gruppen |
| Social Learning Theory | Ronald Akers | Kriminalität entsteht durch Lernprozesse wie Verstärkung, Nachahmung und Belohnung. | Verbindung von Soziologie und Lernpsychologie |
| Subkulturtheorie | Albert K. Cohen | Deviante Jugendgruppen entwickeln eigene Werte als Reaktion auf Statusfrustration. | Jugenddelinquenz und Gruppendynamik |
| Differentielle Gelegenheiten | Cloward & Ohlin | Auch illegitime Chancen sind sozial ungleich verteilt. | kriminelle Karrieren und Gelegenheitsstrukturen |
| Neutralisierungstechniken | Sykes & Matza | Täter lernen Rechtfertigungsstrategien, um Normbrüche moralisch zu legitimieren. | Rationalisierung von Devianz |
Anwendungsbezug: Welche Formen von Kriminalität erklären Lern- und Subkulturtheorien?
Lern- und Subkulturtheorien eignen sich besonders zur Erklärung von Kriminalitätsformen, bei denen soziale Gruppen, Milieus oder Vorbilder eine zentrale RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. spielen. Da sie Kriminalität als erlerntes Verhalten begreifen, stehen insbesondere Situationen im Fokus, in denen Normen, Werte und Handlungsmuster innerhalb von Gruppen vermittelt werden.
- Jugendkriminalität: Viele Delikte Jugendlicher entstehen im Kontext von Peergruppen, Cliquen oder Subkulturen. Innerhalb solcher Gruppen werden Einstellungen zu Gewalt, Eigentumsdelikten oder Regelüberschreitungen häufig gemeinsam entwickelt und stabilisiert.
- Banden- und Gruppenkriminalität: In delinquenten Gruppen werden kriminelle Techniken, Loyalitäten und Rollen erlernt. Neue Mitglieder übernehmen Verhalten, Normen und Statusregeln der Gruppe.
- Alltagskriminalität und Kleindelinquenz: Delikte wie Vandalismus, Diebstahl oder Drogenkonsum können durch Lernprozesse im Freundeskreis oder sozialen Umfeld entstehen.
- Berufs- und Wirtschaftskriminalität: Auch in organisationalen Kontexten können abweichende Normen entstehen, in denen illegale Praktiken als akzeptabel oder notwendig erscheinen.
- Radikalisierung und ExtremismusExtremismus bezeichnet politische Einstellungen und Handlungen, die die grundlegenden Prinzipien einer demokratischen Ordnung ablehnen und oft mit der Befürwortung von Gewalt einhergehen.: Ideologien, Feindbilder und Gewaltlegitimationen werden häufig in sozialen Netzwerken, Gruppen oder digitalen Gemeinschaften vermittelt und verstärkt.
Lern- und Subkulturtheorien zeigen damit, dass Kriminalität häufig weniger durch individuelle Eigenschaften als durch soziale Interaktionen und Gruppendynamiken geprägt ist. Abweichendes Verhalten entsteht dort, wo kriminelle Definitionen, Techniken und Rechtfertigungen im sozialen Umfeld verfügbar sind und von Individuen übernommen werden.



