Les Misérables (1998)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Les Misérables
- Deutscher Titel: Les Misérables
- Erscheinungsjahr: 1998
- Land: Vereinigtes Königreich, Deutschland, USA
- Regie / Creator / Showrunner: Bille August
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 128 Minuten
- Schwerpunkte: Armut & Prekarität, Devianz, Klasse/Schichtung/Status, Kultur & soziale Normen, Recht & Strafjustiz, Soziale Ungleichheit & Sozialstruktur, Strafe & Sanktionen
Kriminologische Relevanz
Les Misérables zählt zu den eindrucksvollsten filmischen Auseinandersetzungen mit den Grundlagen moderner Strafrechtspflege. Im Zentrum steht die Frage, ob Menschen dauerhaft auf ihre Straftaten reduziert werden dürfen oder ob Resozialisierung und gesellschaftliche Wiedereingliederung möglich sind. Jean Valjean verkörpert die Möglichkeit persönlicher Veränderung, während Inspektor Javert für ein Rechtsverständnis steht, das Recht mit unbedingter Pflichterfüllung gleichsetzt.
Kriminologisch besonders bedeutsam ist die Darstellung von Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung. Obwohl Valjean seine Strafe verbüßt hat, bleibt seine Vergangenheit bestimmend für seinen weiteren Lebensweg. Der Film verdeutlicht damit, wie gesellschaftliche Etikettierung die Reintegration ehemaliger Straftäter erschweren und Rückkehrchancen erheblich beeinträchtigen kann.
Darüber hinaus behandelt der Film das Spannungsverhältnis zwischen Recht und Gerechtigkeit. Während Javert konsequent die Durchsetzung gesetzlicher Normen verfolgt, orientiert sich Valjeans Handeln zunehmend an Mitmenschlichkeit, Verantwortung und moralischer Integrität. Dadurch stellt der Film die Frage, ob rechtsstaatliches Handeln allein durch Gesetzestreue bestimmt wird oder ob Gerechtigkeit auch Raum für Verhältnismäßigkeit, Barmherzigkeit und individuelle Entwicklung lassen muss.
Schließlich eignet sich Les Misérables hervorragend zur Diskussion über den Sinn von Strafe. Der Film kontrastiert Vergeltung und Abschreckung mit Resozialisierung und zeigt, dass die gesellschaftliche Reintegration ehemaliger Straftäter nicht allein von der Verbüßung einer Strafe, sondern auch von sozialer Akzeptanz und neuen Lebensperspektiven abhängt.
Bildquelle: Johan Fredriksson, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Labelling-Ansatz (Überblick)
Instanzenforschung/ Kritische Kriminologie
Bindungstheorie (Hirschi)
Schlüsselwerke
Michel Foucault – Überwachen und Strafen (1975)
Erving Goffman – Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen (1961)
Outsiders (Becker)