V for Vendetta (2005)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: V for Vendetta
- Deutscher Titel: V wie Vendetta
- Erscheinungsjahr: 2005
- Land: USA, Vereinigtes Königreich, Deutschland
- Regie / Creator / Showrunner: James McTeigue
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 132 Minuten
- Schwerpunkte: Krieg, Staat und politische Gewalt, Kriminalitätstheorien im Film, Überwachung und Kontrolle
Kriminologische Relevanz
V for Vendetta gehört zu den bedeutendsten Filmen über das Verhältnis von Kriminalität, Macht und staatlicher Herrschaft. Der Film stellt die grundlegende Frage, wer überhaupt definiert, was als kriminell gilt: der Staat, das Recht oder die Gesellschaft. Während das autoritäre Regime den maskierten Widerstandskämpfer V als Terroristen verfolgt, erscheint dessen Gewalt aus Sicht vieler Bürger als legitimer Widerstand gegen Unterdrückung. Damit verdeutlicht der Film eine zentrale Erkenntnis der Kritischen Kriminologie, wonach Kriminalität nicht unabhängig von politischen Machtverhältnissen verstanden werden kann.
Gleichzeitig thematisiert der Film Formen staatlicher Kriminalität. Das Regime sichert seine Herrschaft durch flächendeckende Überwachung, politische Verfolgung, Folter, gezielte Desinformation und die Instrumentalisierung von Angst. Kriminelles Handeln erscheint damit nicht ausschließlich als Verhalten einzelner Täter, sondern kann auch von staatlichen Institutionen selbst ausgehen. Der Film eignet sich daher hervorragend zur Diskussion von Staatsterrorismus, politischer Gewalt und den Grenzen staatlicher Legitimität.
Darüber hinaus illustriert V for Vendetta zentrale Aspekte der Labeling-Theorie. Ob eine Person als Terrorist, Freiheitskämpfer oder Held wahrgenommen wird, hängt weniger von ihrer Handlung als von gesellschaftlichen Zuschreibungen und politischen Deutungsmustern ab. Der Film macht deutlich, dass Kriminalität stets auch das Ergebnis sozialer Definitionsprozesse ist.
Schließlich behandelt V for Vendetta Fragen moderner Überwachungs- und Kontrollgesellschaften. Kameras, Geheimdienste, Propaganda und Medienkontrolle schaffen ein Klima permanenter Beobachtung, in dem Konformität durch Angst erzeugt wird. Damit lassen sich zahlreiche Bezüge zu aktuellen Debatten über staatliche Überwachung, Sicherheitspolitik und den Schutz bürgerlicher Freiheitsrechte herstellen. Gerade diese Verbindung von politischer Philosophie, Kriminologie und Soziologie macht den Film zu einem der vielseitigsten Beiträge des sozialwissenschaftlichen Filmkanons.
Bildquelle (Thumbnail): Al from Edinburgh, Scotland, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Instanzenforschung/ Kritische Kriminologie
Marxistische Kriminalitätstheorien
Labelling-Ansatz (Überblick)
Cultural Criminology
Schlüsselwerke
Taylor, Walton & Young – The New Criminology (1973)
David Lyon – Surveillance Studies: An Overview (2007)
Stanley Cohen – Folk Devils and Moral Panics (1972)