Ein Prophet (2009)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Un prophète
- Deutscher Titel: Ein Prophet
- Erscheinungsjahr: 2009
- Land: Frankreich, Italien
- Regie / Creator / Showrunner: Jacques Audiard
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 155 Minuten
- Schwerpunkte: Drogen und organisierte Kriminalität, Gefängnis und Strafvollzug, Kriminalitätstheorien im Film
Kriminologische Relevanz
Ein Prophet zählt zu den bedeutendsten Filmen über die kriminogene Wirkung des Strafvollzugs. Im Mittelpunkt steht der junge Malik El Djebena, der ohne ausgeprägte kriminelle Vergangenheit ins Gefängnis kommt und dort schrittweise in die Strukturen der organisierten Kriminalität hineinwächst. Der Film verdeutlicht, dass Freiheitsstrafen nicht zwangsläufig resozialisierend wirken, sondern unter bestimmten Bedingungen selbst zur Entwicklung krimineller Karrieren beitragen können.
Besonders eng lässt sich Ein Prophet mit den Lern- und Subkulturtheorien verbinden. Malik eignet sich innerhalb der Gefängnishierarchie schrittweise die Werte, Verhaltensweisen und Techniken seines kriminellen Umfelds an. Kriminelles Verhalten erscheint dabei nicht als angeborene Eigenschaft, sondern als Ergebnis sozialer Lernprozesse, enger persönlicher Beziehungen und der Anpassung an gruppenspezifische Normen. Der Film veranschaulicht damit zentrale Annahmen der Differentiellen Assoziation und verwandter Lerntheorien.
Darüber hinaus thematisiert der Film die besondere soziale Ordnung innerhalb des Strafvollzugs. Macht, Gewalt und Loyalität bestimmen den Alltag ebenso wie ethnische Zugehörigkeiten und informelle Hierarchien unter den Gefangenen. Ein Prophet zeigt eindrucksvoll, dass Gefängnisse eigene Subkulturen hervorbringen können, in denen kriminelle Netzwerke entstehen, gefestigt und über die Haftzeit hinaus fortgeführt werden.
Schließlich wirft Ein Prophet grundlegende Fragen nach den Zielen des Strafvollzugs auf. Anstatt Resozialisierung zu fördern, entwickelt sich die Haft für Malik zu einer kriminellen Ausbildung. Damit regt der Film dazu an, die Wirksamkeit von Freiheitsstrafen, die Bedeutung sozialer Integration und die Bedingungen erfolgreicher Resozialisierung kritisch zu hinterfragen.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland)
Subkulturtheorie (Cohen)
Karrieremodell (Hess)
Karrieremodell (Quensel)
Schlüsselwerke
Erving Goffman – Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen (1961)