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Sie befinden sich hier: Home / News / Donald Trump als Lehrbuchbeispiel marxistischer Kriminalitätstheorien? Eine kriminologische Analyse

Donald Trump als Lehrbuchbeispiel marxistischer Kriminalitätstheorien? Eine kriminologische Analyse

26. März 2026 von Christian Wickert

Kriminologische Theorien wirken oft abstrakt. Besonders marxistische KriminalitätstheorienWissenschaftliche Ansätze, die versuchen, Ursachen und Bedingungen für kriminelles Verhalten zu erklären. mit Begriffen wie „Klassencharakter des Rechts“ oder „selektive Strafverfolgung“ erscheinen vielen Studierenden zunächst wie theoretische Konstruktionen aus Lehrbüchern.

Doch gelegentlich entstehen politische Situationen, die solche Konzepte auf überraschend anschauliche Weise illustrieren. Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump bietet ein Beispiel dafür. Mehrere Entwicklungen lassen sich auffällig gut mit zentralen Thesen marxistischer Kriminalitätstheorien in Verbindung bringen.

Die marxistischen Kriminalitätstheorien gehören zu den einflussreichsten gesellschaftskritischen Perspektiven der Kriminologie. Sie gehen davon aus, dass Recht, Strafverfolgung und KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. nicht unabhängig von gesellschaftlichen Machtverhältnissen verstanden werden können.

Vier zentrale Thesen marxistischer Kriminalitätstheorien

Im Zentrum dieser Perspektive stehen vier grundlegende Annahmen darüber, wie RechtRecht bezeichnet ein formalisiertes System verbindlicher Normen, das gesellschaftliches Handeln regelt, Konflikte entscheidet und durch staatliche Institutionen durchsetzbar ist., Macht und soziale Ungleichheit miteinander verbunden sind:

  • Ideologische Stabilisierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse
  • Klassencharakter von Gesetzen
  • Selektive Strafverfolgung
  • Kriminogener Charakter kapitalistischer Gesellschaften

Betrachtet man zentrale politische Entwicklungen während der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump, lässt sich argumentieren, dass alle vier Thesen in bemerkenswerter Weise empirische Resonanz finden. Die hier genannten Aspekte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil ließen sich zahlreiche weitere Beispiele finden, die die Thesen der marxistischen KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. weiter untermauern.

1. Ideologische Stabilisierung des Systems

Marxistische Ansätze betonen, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht nur durch ökonomische KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird., sondern auch durch ideologische Institutionen stabilisiert werden. Dazu zählen insbesondere Medien, Bildungssysteme und kulturelle Institutionen.

Mehrere Entwicklungen in den USA werden von Kritiker:innen als Beispiele für solche Prozesse interpretiert.

So wurde etwa Anfang 2026 in Philadelphia eine Freiluftausstellung zur Geschichte der Sklaverei entfernt. Beobachter sehen darin einen Teil einer breiteren politischen Strategie, die Darstellung der US-Geschichte stärker nationalistisch zu rahmen und kritische Perspektiven zurückzudrängen (Deutschlandfunk Kultur).

Auch im Verhältnis zur Presse kam es zu Konflikten. Journalisten, die als kritisch gegenüber der Regierung gelten, verloren teilweise ihre Akkreditierungen für das Weiße Haus oder das Pentagon, während gleichzeitig neue Medienakteure – etwa politisch rechte Podcaster – Zugang erhielten (Tagesschau).

Zugleich wurden kritische Medien regelmäßig pauschal als „Fake News“ bezeichnet, während einzelne Journalistinnen öffentlich diffamiert wurden (FR).

Auch kulturelle Institutionen geraten zunehmend unter politischen Druck. So setzte der Sender CBS im Jahr 2026 die Late-Night-Show von Stephen Colbert ab, der als einer der prominentesten Trump-Kritiker im US-Fernsehen galt (Tagesschau).

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Aus marxistischer Perspektive lassen sich solche Entwicklungen als Konflikte um die Kontrolle über öffentliche Diskurse interpretieren.

2. Klassencharakter von Gesetzen

Eine weitere zentrale These marxistischer Kriminologie lautet, dass Gesetze häufig die Interessen wirtschaftlich mächtiger Gruppen widerspiegeln. Diese Perspektive findet sich etwa in den konflikttheoretischen Arbeiten von William J. Chambliss, der Rechtssysteme als Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse analysierte.

Auch hier verweisen Kritiker auf mehrere politische Entscheidungen der Trump-Regierung. Dazu zählt etwa die geplante Rücknahme zentraler Klimaschutzregulierungen zugunsten der Öl- und Gasindustrie (Deutschlandfunk).

Besonders kontrovers diskutiert werden zudem mögliche Interessenkonflikte im Bereich der Kryptowährungen. Trump ist selbst mit der Plattform „World Liberty Financial“ im Kryptomarkt aktiv. Gleichzeitig brachte seine Regierung Gesetzesinitiativen auf den Weg, die Stablecoins stärker institutionalisieren könnten (Tagesschau).

Hinzu kommen institutionelle Entscheidungen mit großer politischer Tragweite. So sprach der US-Supreme Court dem Präsidenten weitreichende Immunität für bestimmte Amtshandlungen zu (Deutschlandfunk).

Aus marxistischer Sicht könnten solche Entwicklungen als Beispiele dafür interpretiert werden, wie politische und rechtliche Institutionen mit bestehenden Machtstrukturen verflochten sind.

3. Selektive Strafverfolgung

Marxistische Kriminologie betont außerdem, dass Strafverfolgung in der Praxis häufig selektiv erfolgt. Während bestimmte Delikte intensiv verfolgt werden, bleiben andere Formen von Kriminalität – etwa wirtschaftskriminelle Delikte im Bereich des White Collar Crime – vergleichsweise selten sanktioniert.

Während seiner Amtszeit erließ Trump zahlreiche Begnadigungen für verurteilte Straftäter. Medienberichten zufolge standen einige dieser Begnadigungen in engem Zusammenhang mit politischen oder finanziellen Unterstützern (The Guardian).

Auch innerhalb staatlicher Institutionen selbst kommt es immer wieder zu Konflikten über politische Einflussnahme auf Strafverfolgungsentscheidungen. Ein Beispiel hierfür ist der Fall der Juristin Elizabeth G. Oyer, die von April 2022 bis März 2025 als Begnadigungsbeauftragte im US-Justizministerium tätig war. Oyer erklärte später öffentlich, sie sei entlassen worden, nachdem sie sich geweigert habe, dem Schauspieler Mel Gibson – einem politischen Unterstützer Trumps – trotz einer früheren Verurteilung wegen häuslicher GewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen. eine waffenrechtliche Genehmigung zu ermöglichen. Kritische Beobachter sehen in dem Fall ein Beispiel für die von marxistischen und konflikttheoretischen Ansätzen thematisierte Problematik politischer Einflussnahme auf strafrechtliche Entscheidungen.

Der Fall sorgte international für Aufmerksamkeit und wurde in den Medien als Beispiel für mögliche politische Einflussnahme auf rechtliche Entscheidungsprozesse diskutiert (t-online). Oyer kommentiert die Arbeit des Justizministeriums seither auf ihrem Instagram-Account.

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Auch die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten sorgte für erhebliche Kontroversen. Mit dem im November 2025 beschlossenen Epstein Files Transparency Act ist das Justizministerium verplichtet, alle Ermittlungsakten im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Bis heute wurde ´n jedoch nur 3,5 Millionen von 6 Millionen Dokumente veröffentlicht. Teile der Dokumente wurden geschwärzt veröffentlicht, und bis heute kam es trotz zahlreicher mutmaßlicher Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten zu keiner größeren Strafverfolgungswelle (FR). Kritiker bemängeln zudem, dass scheinbar Trumps Name in den bereits veröffentlichten Akten geschwärzt wurde bzw. andere Akten, die Trump als Mitwisser und Mittäter belasten, zurückgehalten wurden (Zeit).

Gleichzeitig verschärfte die Regierung die Maßnahmen gegen MigrationMigration bezeichnet die dauerhafte oder zeitweise räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunkts von Personen oder Gruppen. deutlich. Die Einwanderungsbehörde ICE erhielt zusätzliche Kompetenzen und Ressourcen, während ihr Vorgehen zunehmend in der Kritik stand (Deutschlandfunk).

Aus Sicht marxistischer Kriminologie lassen sich solche Entwicklungen als Beispiel für unterschiedliche Intensitäten staatlicher Kontrolle gegenüber verschiedenen sozialen Gruppen interpretieren.
Ähnliche Argumente finden sich auch in der radikalen Kriminologie von Richard Quinney, der StrafrechtDas Strafrecht umfasst die Gesamtheit der Gesetze, die bestimmen, welche Handlungen strafbar sind und welche Sanktionen dafür vorgesehen sind. als Teil gesellschaftlicher Machtstrukturen interpretiert.

Marxistische Kriminologie weist zudem darauf hin, dass moralische Bewertungen von Devianz stark vom sozialen Status der beteiligten Personen abhängen können. Während Drogenkonsum in vielen Ländern strafrechtlich verfolgt wird und insbesondere marginalisierte Gruppen überproportional häufig kriminalisiert werden, reagieren ÖffentlichkeitÖffentlichkeit bezeichnet den sozialen Raum, in dem gesellschaftliche Themen sichtbar, verhandelt und bewertet werden. und Institutionen bei Angehörigen politischer oder wirtschaftlicher Eliten oftmals deutlich milder.

In diesem Zusammenhang sorgte etwa eine Äußerung des heutigen US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. für Aufmerksamkeit. In einem Interview erklärte er rückblickend:
„Ich habe keine Angst vor Keimen. Früher habe ich KokainKokain ist ein stark stimulierendes Betäubungsmittel, das aus den Blättern des Kokastrauchs gewonnen wird. von Toilettensitzen geschnupft.“
(Spiegel).
Der Vorfall wurde in den Medien breit diskutiert, hatte jedoch keine erkennbaren politischen Konsequenzen. Kritische Beobachter sehen darin ein Beispiel für die unterschiedlichen gesellschaftlichen Reaktionen auf vergleichbare Formen devianter oder illegaler Praktiken – ein Phänomen, das marxistische und konflikttheoretische Ansätze seit langem thematisieren.

4. Der kriminogene Charakter des Kapitalismus

Schließlich argumentieren marxistische Theorien, dass kapitalistische Gesellschaften selbst Bedingungen hervorbringen können, die Kriminalität begünstigen – etwa durch extreme Ungleichheit oder starken Konkurrenzdruck.

Während Trumps zweiter Amtszeit wurden enge Beziehungen zwischen der Regierung und führenden Unternehmern aus der Technologie- und Finanzbranche sichtbar. Mehrere Treffen zwischen Präsident und Tech-Milliardären sorgten international für Aufmerksamkeit (Fortune).

Gleichzeitig berichten Medien, dass das Vermögen mehrerer Technologie-Milliardäre im ersten Jahr der zweiten Trump-Amtszeit deutlich gestiegen sei (Business Insider).

Aus marxistischer Perspektive könnten solche Entwicklungen als Ausdruck enger Verflechtungen zwischen politischer MachtMacht bezeichnet die Fähigkeit von Personen oder Gruppen, das Verhalten anderer zu beeinflussen – auch gegen deren Willen. und wirtschaftlichen Eliten interpretiert werden.

Fazit

Die marxistischen Kriminalitätstheorien wurden ursprünglich entwickelt, um die RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. von Macht, Eigentum und sozialer Ungleichheit in kapitalistischen Gesellschaften zu analysieren. Viele ihrer Annahmen wirken auf den ersten Blick abstrakt oder theoretisch.

Betrachtet man jedoch verschiedene politische Entwicklungen während der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps, zeigen sich bemerkenswerte Parallelen zu den zentralen Thesen dieser Perspektive. Fragen nach ideologischer Kontrolle öffentlicher Diskurse, nach dem Einfluss wirtschaftlicher Eliten auf Gesetzgebung, nach selektiver Strafverfolgung sowie nach der engen Verbindung von politischer und ökonomischer Macht treten hier in ungewöhnlicher Deutlichkeit hervor.

Gerade deshalb eignet sich diese politische Konstellation nahezu als Lehrbuchbeispiel für die analytische Perspektive marxistischer Kriminologie. Sie macht sichtbar, wie eng Recht, Politik und ökonomische Macht miteinander verflochten sein können – ein Zusammenhang, den kritische Kriminologen seit Jahrzehnten hervorheben.


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Kategorie: Kriminalitätstheorien, News Schlagworte: Donald Trump, Ideologie und Recht, Kapitalismus und Kriminalität, Klassencharakter des Rechts, Konflikttheorien, Kriminalität und Kapitalismus, Kritische Kriminologie, kritische Rechtstheorie, Macht und Strafrecht, Marxistische Kriminalitätstheorien, Marxistische Kriminologie, politische Kriminologie, selektive Strafverfolgung, soziale Ungleichheit, Strafrecht und Macht, White Collar Crime, Wirtschaftseliten und Politik

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Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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