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Anomietheorie (Merton)

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2026 | Veröffentlicht: 2. Juni 2018 von Christian Wickert

Grundgedanke der AnomietheorieDie Anomietheorie beschreibt gesellschaftliche Zustände, in denen normative Orientierungen und soziale Regeln ihre Verbindlichkeit verlieren, was zu einem Anstieg von abweichendem Verhalten und Kriminalität führen kann. nach Robert K. Merton ist, dass die meisten Menschen nach kulturell anerkannten Zielen streben. Ein Zustand der Anomie entsteht demnach, wenn der Zugang zu diesen Zielen für ganze Gruppen oder Individuen versperrt bleibt. Die Folge ist abweichendes Verhalten, das durch Rebellion, Rückzug, Ritualismus, Innovation und/oder Konformität gekennzeichnet ist. KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. entsteht insbesondere in der Anpassungsform der Innovation, bei der gesellschaftliche Ziele akzeptiert, aber illegitime Mittel zu ihrer Erreichung genutzt werden.

Inhaltsverzeichnis

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  • Merkzettel
    • Anomietheorie nach Merton
  • Die Anomietheorie nach Robert K. Merton
    • Kritische Würdigung & Aktualitätsbezug
  • Kriminalpolitische Implikation
  • Literatur
    • Primärliteratur
    • Sekundärliteratur
    • Weiterführende Informationen
      • Video

Merkzettel

Anomietheorie nach Merton

Hauptvertreter: Robert King Merton

Robert K. Merton

Erstveröffentlichung: 1938/ 1949

Land: USA

Idee/ Annahme: Kriminalität ist die Folge einer Diskrepanz zwischen kulturell anerkannten Zielen und der Verfügbarkeit legitimer Mittel zur Zielerreichung.

Grundlage für:

  • Institutionelle Anomietheorie (Messner & Rosenfeld)
  • General Strain Theory (Agnew)

Die Anomietheorie nach Robert K. Merton

Mertons Anomietheorie wurde erstmals 1938 veröffentlicht. Größere Bekanntheit erlangte sie jedoch erst durch die erweiterte Darstellung im Werk Social Theory and Social Structure (1949). Merton verfeinert die Ausführungen von Durkheim, indem er die fehlenden gesellschaftlichen Regeln, die zu AnomieZustand der Normlosigkeit, in dem gesellschaftliche Normen und Werte ihre regulierende Wirkung verlieren. führen, beschreibt und die Verknüpfung dieser mit dem Aspekt der Wert-Mittel-Diskrepanz durchführt. Anomische Bedingungen werden hier nicht mehr in der Kluft zwischen Bedürfnislage und Befriedigungsmöglichkeiten, sondern in der Diskrepanz zwischen Zielen und Mittel gesehen.

Hauptannahme

Anomietheorie nach Merton
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Kriminalität entsteht aus der Diskrepanz zwischen den als legitim anerkannten Zielen der GesellschaftEine Gesellschaft ist ein strukturiertes Gefüge von Menschen, die innerhalb eines geografischen Raumes unter gemeinsamen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen leben und durch institutionalisierte soziale Beziehungen miteinander verbunden sind. und den eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten zu den Mitteln, die zur Erreichung dieser Ziele erforderlich sind. Diese Diskrepanz zwischen Zielen und Mitteln ist schichtspezifisch unterschiedlich ausgeprägt, aber in allen Schichten möglich. Die Diskrepanz führt zur Orientierungslosigkeit des Individuums, zu psychischen Belastungen und sozialen Konflikten. Im Mittelpunkt des Interesses steht nicht die Abweichung einzelner Individuen (Mikroebene), sondern die Suche nach Erklärungen für die unterschiedlichen Diskrepanzraten verschiedener Gesellschaften und Gruppen. (Betrachtung: Makroebene)

Anpassungsreaktionen

Um mit diesem Druck umzugehen, greifen Individuen auf eines der folgenden fünf Anpassungsmuster zurück:

  1. Konformität
    Akzeptanz kultureller Ziele und Anpassung an sozialen Wandel
  2. Innovation
    Akzeptanz kultureller Ziele, Nichtanerkennung legaler Mittel zur Erreichung der Ziele.
  3. Ritualismus
    Herunterschrauben / Aufgabe der kulturellen Ziele und Beibehaltung legaler Mittel zur Erreichung dieser.
  4. Rückzug
    Ablehnung kultureller Ziele und legaler Mittel
  5. Rebellion
    Bekämpfung der Ziele sowie der Mittel mit dem Ziel, soziale Strukturen zu verändern.

Die fünf Anpassungstypen beschreiben unterschiedliche Reaktionsweisen auf die Diskrepanz zwischen kulturellen Zielen und legitimen Mitteln. Nicht alle dieser Anpassungsformen führen zwangsläufig zu Kriminalität. Während Konformität und Ritualismus in der Regel normkonformes Verhalten darstellen, können insbesondere Innovation, Rückzug und Rebellion mit verschiedenen Formen von DevianzVerhalten, das in einer Gesellschaft als unangemessen, abweichend oder regelverletzend gilt – unabhängig davon, ob es strafrechtlich relevant ist. verbunden sein.

Die Anpassungsform der Innovation gilt in der KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. als besonders relevant für die Erklärung von Eigentums- und Vermögensdelikten, etwa Diebstahl, Betrug oder Einbruch, da hier gesellschaftliche Erfolgsziele akzeptiert werden, aber illegitime Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden. Merton nimmt an, dass der Druck zur Innovation insbesondere in sozialen Gruppen entsteht, deren Zugang zu legitimen Mitteln strukturell eingeschränkt ist.
Rückzug wird häufig mit Formen sozialer Devianz wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit oder sozialem Rückzug in Verbindung gebracht. Rebellion beschreibt schließlich Versuche, bestehende gesellschaftliche Ziele und Mittel grundlegend zu verändern, was sich etwa in politischen Protestbewegungen oder revolutionären Aktivitäten äußern kann.

Die unterschiedlichen Anpassungsreaktionen und die Zustimmung/ Verfügbarkeit (+) bzw. Ablehnung (-) von kulturellen Zielen und institutionalisierten Mitteln lässt sich in folgender tabellarischen Übersicht darstellen:

Arten der AnpassungKulturelle ZieleInstitutionalisierte Mittel
Konformität++
Innovation+-
Ritualismus-+
Rückzug--
Rebellion(+/-)(+/-)

Kritische Würdigung & Aktualitätsbezug

Mertons Theorie konzentriert sich vor allem auf instrumentelle Formen der Devianz. Menschen werden kriminell, weil sie keine Alternativen haben. In diesem Zusammenhang erklärt Merton Vermögensdelikte wie Raub oder Einbruch, nicht aber Mord oder VergewaltigungVergewaltigung bezeichnet eine besonders schwere Form sexueller Gewalt, bei der sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person vorgenommen werden.. Mit dem Mangel an Zugangsmöglichkeiten zu legitimen Mitteln zur Zielerreichung erklärt Merton Kriminalität nur in der Unterschicht, da davon auszugehen ist, dass die Mittel- und Oberschicht über diese Mittel verfügen. Die Zugangsmöglichkeiten zu illegitimen Mitteln werden nicht betrachtet. Darüber hinaus bleibt Merton die Antwort auf die Frage schuldig, warum Menschen in belastenden Situationen so unterschiedlich reagieren. – Warum wird jemand zum Ritualisten oder zum Innovator? Außerdem wird keine präzise Begriffsklärung vorgenommen. Der Begriff ‚kulturelle Ziele‘ wird nur unzureichend beschrieben.

Zudem betrachtet Merton den Übergang von konformem zu kriminellem Verhalten als „Sprung“ und nicht als Prozess, ohne dass diese „kriminelle Karriere“ näher erläutert wird.

Aus heutiger Sicht muss zudem das homogene Gesellschaftsbild, von dem Merton ausgeht, als nur bedingt zeitgemäß kritisiert werden. Merton schreibt

It is only when a system of cultural values extols, virtually above all else, certain common symbols of success for the population at large while its social structure rigorously restricts or completely eliminates access to approved modes of acquiring these symbols for a considerable part of the same population, that antisocial behavior ensues on a considerable scale. In other words, our egalitarian ideology denies by implication the existence of noncompeting groups and individuals in the pursuit of pecuniary success.
(Merton, 1938, S. 680)

Die hier angesprochene „egalitarian ideology“, d.h. das gleichförmige Streben nach dem Erreichen der gleichen monetären Ziele („pecuniary success“) – vielleicht am besten ausgedrückt im Bild des American Dream/ vom Tellerwäscher zum Millionär – ließe sich mit Blick auf heutige Gesellschaften und individuelle Lebensentwürfe kritisch hinterfragen. Zwar machen auch heute viele Menschen ihren Erfolg und ihr Glück vom wirtschaftlichen Erfolg abhängig, doch gibt es auch Gegenentwürfe (Erfolg/Glück als Zustand von Gesundheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung etc.) Die Kritik an Mertons Anomietheorie könnte also lauten, dass sie sich zu stark an einem mittelschichtorientierten Gesellschaftsmodell orientiert.

Kriminalpolitische Implikation

Mertons Anomietheorie verweist auf den viel zitierten Zusammenhang von Sozial- und Kriminalpolitik [„Die beste Kriminalpolitik ist eine gute Sozialpolitik“, (Franz von Liszt)]. KriminalpräventionKriminalprävention umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Straftaten zu verhindern oder deren Folgen zu reduzieren. setzt aus dieser Perspektive vor allem an sozialpolitischen Maßnahmen an, die den Zugang zu legitimen Bildungs-, Berufs- und Aufstiegsmöglichkeiten verbessern. Da Kriminalität in Form von Innovation (oder auch Rückzug und Rebellion) das Ergebnis sozialstruktureller Ungleichheiten ist, muss es Aufgabe der Kriminalpolitik sein, diese Ungleichheiten zu beseitigen. Ökonomisch schwächer gestellte Personen sind zu befähigen, in höhere Schichten aufzusteigen oder zumindest dabei zu unterstützen, dies in angemessener Weise zu tun.

Je weniger eine Gesellschaft durch soziale Ungleichheit gekennzeichnet ist, desto weniger Menschen fallen in den Zustand der Anomie. Das Ziel muss also ein echter Sozial- und Wohlfahrtsstaat sein, in dem es jedem möglich ist, die kulturellen Ziele mit legitimen Mitteln zu erreichen.

Literatur

Primärliteratur

  • Merton, R. K. (1938) Social Structure and Anomie. American Sociological Review, Vol. 3, No. 5 (Oct., 1938), S. 672-682.

Sekundärliteratur

  • Brown, S. E., Esbensen, F.-A., & Geis, G. (2010): Criminology. Explaining Crime and Its Context. S. 240-244.
  • Kaiser, G. (1989): Kriminologie. S. 219-222
  • Ostendorf, H. (2018): Ursachen von Kriminalität. In: Informationen zur politischen Bildung Nr. 306/2018. Kriminalität und Strafrecht. Bundeszentrale für politische Bildung. Online verfügbar unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/kriminalitaet-und-strafrecht-306/268217/ursachen-von-kriminalitaet/.
  • Vito, G./Maahs, J./Holmes, R. (2007): Criminology. Theory, Research, and Policy. S. 154-156.

Weiterführende Informationen

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Kategorie: Kriminalitätstheorien Tags: American Dream, Anomie, Anomie und Drucktheorien, Anomietheorie, Innovation (Merton), Konformität, Kriminalitätstheorien, kulturelle Ziele und institutionalisierte Mittel, Rebellion, Ritualismus, Robert K. Merton, Rückzug, soziale Ungleichheit, Strain Theory

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Lektionen

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    Émile Durkheim
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    Robert K. Merton
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    Steven F. Messner & Richard Rosenfeld
  • Quiz zu Anomietheorien

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SozTheo wurde als private Seite von Prof. Dr. Christian Wickert, Dozent für die Fächer Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen, erstellt. Die hier verfügbaren Beiträge und verlinkten Artikel spiegeln nicht die offizielle Meinung, Haltung oder Lehrpläne der HSPV NRW wider.

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